Ilvesheim

Ilvesheim SPD-Fraktionschef Rolf Sauer glaubt, dass sich die Kommune das Kombibad leisten kann / Eventueller Verzicht bereitet ihm große Sorgen

„Der Gemeinde wird Schaden zugefügt“

Archivartikel

SPD-Fraktionschef Rolf Sauer zeigte sich im Sommerinterview überzeugt, dass die Gemeinde das Kombibad stemmen kann.

Herr Sauer, wie fällt Ihre Bilanz aus, wenn Sie auf das Halbjahr zurückblicken? Haben Sie sich über ein Ereignis besonders gefreut?

Rolf Sauer: Sehr erfreulich sind die vielen Vereins- und ehrenamtlich erfolgreichen Arbeiten und Ereignisse. Aber auch die Tätigkeit des Arbeitskreises Integration und die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr bei den Starkregen-Überschwemmungen waren beeindruckend. Kommunalpolitisch gab es für mich kein wesentliches Ereignis, über das ich mich besonders gefreut hätte.

Weniger erfreulich ist das Veto des Kommunalrechtsamts, mit dem der Gemeinde Kreditaufnahmen verweigert werden. Glauben Sie, dass sich die Situation noch ändern kann? Die schriftliche Begründung steht ja noch aus.

Sauer: Das Veto des Kommunalrechtsamtes auf die im ersten doppischen Haushalt dargestellte Kreditaufnahme in Höhe von 15 Millionen Euro bis 2022 wird kommen. Es wird Aufgabe der Verwaltung und des Rates sein, wesentliche Fakten aufzuarbeiten und richtigzustellen – so die jährlich besseren Haushaltsergebnisse gegenüber den Planungen. Im Vergleich zwischen den Plänen und den Ergebnissen hatte die Gemeinde in den vergangenen Jahren ein besseres Ergebnis von jährlich über 1 Million Euro. Weitere Punkte sind der geringere laufende Zuschuss zum Kombibad gegenüber den bisherigen Bädern, Veränderungen bei der Bezuschussung für Bäder oder Kinderbetreuungseinrichtungen oder die Verwertung des Hallenbadgeländes.

Eng mit dem Veto des Kommunalrechtsamts hängt das Kombibad zusammen. Ihre Fraktion hält an der Zusage für das Bad fest. Kann sich die Gemeinde das 14,5-Millionen-Projekt wirklich leisten?

Sauer: So wie die Gemeinde in den vergangenen über 40 Jahren beide Bäder betrieben hat, ohne andere Aufgaben zu vernachlässigen, wird sie auch das Kombibad bestreiten können. Aus meiner Sicht wird für das Kombibad eine Kreditaufnahme von zehn Millionen Euro erforderlich, das bedeutet eine jährliche Zins- und Tilgungsbelastung von rund 500 000 Euro. Hierfür fehlen im Haushalt derzeit Mittel. Es werden sich jedoch Kostenreduzierungen ergeben. Aufgrund unserem politischen Willen nach einer optimalen Kinderbetreuung ist die Gemeinde derart in Vorlage getreten, dass der jährliche Zuschuss auf drei Millionen Euro angestiegen ist. Durch die fallenden Kinderzahlen und neue überfällige Bezuschussungen der Gemeinden durch das Land werden die jährlichen Kosten sinken. Es gibt auch Bereiche, in denen wirtschaftliche Überlegungen anzustellen sind. Künftige Haushalte werden sich also verändern – auch ohne eine Streichliste zu erstellen.

Sind Sie für einen weiteren Bürgerentscheid in Sachen Kombibad?

Sauer: Ich bin überzeugt, wenn der Rat heute mit einer Finanzrücklage von rund neun Millionen Euro auf die für die Bewohner der Inselgemeinde und der Umgebung wichtige Einrichtung der Gesundheits- und Daseinsfürsorge verzichtet, fügt er der Gemeinde einen Schaden zu, den die künftigen Generationen nicht wieder ausgleichen können. Das macht mir nach 36 Jahren Ratsarbeit große Sorgen. Der Bau eines Kombibades ist ein Resultat einer großen Bürgerbeteiligung im Bewusstsein, dass Schwimmunterricht, Sport und Gesundheitsarbeit nur in einer Schwimmhalle möglich sind. Gleichzeitig sollte aber auch das seit 1952 bestehende Freibadgelände erhalten bleiben. Ein weiterer Bürgerentscheid ist dafür nicht erforderlich.

Ein leidiges Thema ist der Parkplatz vor dem Freibad. Finden Sie, dass hier alles richtig ausgeführt wurde?

Sauer: Die fertigen Pläne für den Fest- und Parkplatz mussten durch die Errichtung der alla hopp!- Anlage schnell umgeplant werden. Dabei wurde von uns allen übersehen, dass aus einem Behelfsparkplatz mit preislich günstiger wassergebundener Decke ein stark beanspruchter Parkplatz wurde, wofür der Aufbau nicht geeignet ist. Das ist ärgerlich, wir müssen nun pflegend eingreifen und nach Realisierung des Kombibades neue Überlegungen anstellen.

In der Nachbarschaft steht die alla hopp!-Anlage, die oftmals beschädigt und beschmutzt wird. Andernorts denkt man schon über eine Umzäunung nach. Gibt es in Ihrer Fraktion entsprechende Überlegungen?

Sauer: Die alla hopp!- Anlage ist eine große, attraktive Einrichtung, die tollen Anklang bei allen Generationen findet. Der Pflegeaufwand steht nicht im Missverhältnis zum Nutzen. Jugendlichen sollten nach der zu frühen Abendsperre der Anlage alternative Plätze angeboten werden. Weiteren Handlungsbedarf sehe ich derzeit nicht.

Im Mai nächsten Jahres stehen Kommunalwahlen an. Deuten sich in Ihrer Fraktion Veränderungen an?

Sauer: Bei den Gemeinderatswahlen wird die SPD-Fraktion mit ihren erfahrenen Ratsmitgliedern, aber insbesondere auch mit jungen kompetenten Kandidatinnen und Kandidaten antreten, so dass es durch Wählerwunsch durchaus Veränderungen in der Fraktion geben kann.