Ilvesheim

Ilvesheim Gespräch mit dem Historiker Markus Enzenauer über die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs auf die Gemeinde

„Durch die Zerstörungen war das Dorf schlimm gezeichnet“

Der Dreißigjährige Krieg, der vor 400 Jahren begann, brachte Leid und Elend über ganz Deutschland. Und die Kurpfalz, die seit 1622 immer wieder Kriegsschauplatz war, traf es besonders schlimm. „Man geht von einem Verlust von zwei Dritteln der Bevölkerung aus“, erläutert der Historiker Markus Enzenauer, der als Angestellter im Stadtarchiv Mannheim arbeitet.

1645, drei Jahre vor Kriegsende, starben die Ortsherren von Ilvesheim, die Landschad von Steinach, aus, und Kurfürst Maximilian I. von Bayern ließ eine Inventur vornehmen. Das Ergebnis dürfte den neuen Ortsherrn nicht erfreut haben. Enzenauer: „Wo noch vor dem Krieg an die 50 Familien lebten, waren es jetzt nur noch fünf. Neben dem Schultheißen Martin Koch werden noch die Familien von Hans Zeh, Hans Lehnhardt, woraus später Lohnert wurde, der Dorfanwalt Hans Kiebler sowie ein Hans Kolb genannt. Ansonsten lebten nur noch eine Hand voll Witwen und zwei Pflegekinder am Ort.“

Mit dem Verlust an Menschen ging auch ein Wertverlust der Ländereien einher: von 27 000 Gulden vor dem Krieg auf 3400 Gulden im Jahr 1645. Denn die landwirtschaftliche Produktion war völlig zusammengebrochen. Die Ilvesheimer Bauern hatte es aufgegeben, ihre Äcker zu bestellen, das Vieh verendete.

Nur wenige Dokumente

Aus früheren Kriegsjahren ist über Ilvesheim wenig bekannt, erläutert Enzenauer, der an dem Buch „1250 Jahre Ilvesheim“ mitschreibt, das bald erscheinen soll: „Da haben wir noch eine große Leerstelle.“ Es existieren lediglich einige Dokumente aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe und dem Ilvesheimer Gemeindearchiv.

Daraus ist zu entnehmen, dass seit 1622, nachdem der kaiserliche General Tilly die Region erobert hatte, der reformierte Pfarrer und der Lehrer vertrieben wurden und die Herrschaft einseitig die Katholiken begünstigte. Das Blatt wendete sich, als die protestantischen Schweden in die Region einmarschiert waren. Sie machten die Kirche, außer dem Turm, die Schule und das Pfarrhaus – alles katholische Einrichtungen – dem Erdboden gleich.

An den Aufenthalt der Schweden erinnerte der längst verschwundene „Schwedenhof“, der in der Hauptstraße gegenüber dem heutigen Gasthaus „Zum Schiff“ lag. Dort hatten sie Quartier bezogen. Nach ihrem Abzug im Jahr 1634 erfolgte eine erneute Rekatholisierung.

Nach Kriegsende war Ilvesheim eine weitgehend entvölkerte Trümmerwüste, schildert Enzenauer: „Durch die Zerstörungen war das Dorf schlimm gezeichnet, viele Bewohner geflohen, zahlreiche Männer zwangsrekrutiert, die verbliebenen Menschen von Hunger und Krankheiten dahingerafft.“ Das Schloss überstand die schlimmen Zeiten, aber die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude wiesen große Schäden auf.

Nach Friedensschluss begann zwar der Wiederaufbau, aber Ilvesheim hatte noch lange Jahre an den im Krieg aufgenommenen Schulden zu tragen. „Neubürger“ kamen aus der Schweiz und Österreich. Und 1689 traf die nächste Katastrophe die Kurpfalz: Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) verwüsteten die Truppen des Franzosenkönigs Ludwig XIV. die Region. Eine Folge, so Enzenauer: „Aus dem Mittelalter ist in Ilvesheim nichts mehr übrig.“