Ilvesheim

Ilvesheim Bei der Konzertreihe Kultur im Dunkeln in der Schloss-Schule tritt das Duo Rufus Coates und Jess Smith auf

„Es ist eine Herausforderung“

Kultur im Dunkeln ist immer etwas Besonderes und für die normalerweise sehenden Menschen eine spezielle Herausforderung. Wo könnte also Musik bewusster und intensiver erlebt werden als im schwarzen Salon der Ilvesheimer Blindenschule. Dieses Mal durften sich die Gäste auf ein ganz außergewöhnliches Klangerlebnis freuen. Irish Folk vom Feinsten.

Bevor die Gäste jedoch das Konzert genießen konnten, war noch die Hürde des Betretens des schwarzen Salons zu überwinden. Die Schülerinnen und Schüler der Blindenschule übernahmen diese Aufgabe wie immer sehr professionell und begleiteten die Besucher sehr zielgerichtet zu ihren Plätzen. Der Leiter von Kultur im Dunkeln Gunter Bratzel begrüßte die Künstler sowie die Zuhörer und bedankte sich bei den Kindern, denn ohne ihre Hilfe wäre so eine Veranstaltung unmöglich gewesen.

Das Duo Rufus Coates und Jess Smith machen mittlerweile seit sieben Jahren zusammen Musik und starteten ihre diesjährige Konzertreise in Ilvesheim im schwarzen Salon. Das Duo wird in den nächsten vier Wochen noch in verschiedenen Städten in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz zu sehen sein. Für die beiden war es aber auch eine Premiere in völliger Dunkelheit zu musizieren. „Wir haben uns zwar mit Schlafmasken darauf eingestellt, trotzdem ist es natürlich eine Herausforderung, speziell bei einem Instrumentenwechsel“ erklärte Rufus Coates.

Trotzdem waren die beiden Künstler sehr entspannt und überlegten sich noch kurz vor Konzertbeginn, welche Stücke sie in welcher Reihenfolge singen wollten. Bevor das Duo starten konnte, bemerkte ein Gast doch noch ein kleines Licht. Gunter Bratzel erklärte in seiner ruhigen Art: „Das ist keine Erscheinung, wir haben nur noch kurz gelüftet. Der Lichtschein kommt von draußen“ und sorgte damit wieder einmal für Lacher aus dem Publikum.

Das Duo eröffnete das Konzert mit dem Lied „Down by the water“ und das Publikum war vom ersten Moment an fasziniert von Rufus Coates dunkler tiefer Stimme, begleitet von Jess Smith, die samtweich, fast elfenhaft nur im Hintergrund zu vernehmen war. Das sollte sich aber im Verlauf des Konzertes deutlich ändern.

Die Zuhörer bekamen einen Eindruck, wie vielseitig und facettenreich sie ihre Stimme einzusetzen wusste. Spätestens als Jess Smith den Song „Chewin on this rope“ anstimmte und das Publikum dazu aufforderte, den Takt mit zu klatschen, verwandelte sie den schwarzen Salon zu einer einzigen Konzertbühne.

Inhalte oft kritisch

Mit ihrem großartigen Stimmvolumen, welches mal rockig, dann wiederum mehr nach Blues klang, und irgendwie an Janis Joplin erinnerte, schaffte sie es mühelos, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Trotzdem war es die Kombination der beiden Stimmen, die das Konzert so wundervoll rund machten. Die Lieder kamen alle aus der Feder von Rufus Coates, der sich bei seinen Texten einfach vom Leben inspirieren ließ. Auch wenn die Inhalte oft kritisch und traurig waren, so sorgten sie Musik und die Stimmen doch für Herzenswärme.

Das Publikum war begeistert und entließ die beiden sympathischen Künstler natürlich auch nicht ohne Zugaben. Es blieb nur noch die Frage offen, wie denn die beiden Musiker eigentlich aussehen, die über solche markerschütternden Stimmen verfügen. Letztendlich konnte auch dieses Rätsel nach Konzertende gelöst werden.