Ilvesheim

Ilvesheim Grüne sehen Handlungsfähigkeit der Gemeinde bedroht / Familienfest mit Clownin

„Freibad statt Finanzgrab“

Archivartikel

Beim Familienfest unter dem Motto „Eröffnung der Freibadsaison“ hat der Ilvesheimer Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen ein großes Thema des Kommunalwahlkampfes in den Mittelpunkt gerückt: „Freibad statt Finanzgrab“ heißt es dazu auch im handlichen Wahlprogramm mit der Überschrift „Hier ist Zukunft Zuhause“.

Gemeinderat Michael Haug erklärt den ironisch gemeinten Titel des Nachmittags mit Clownin „Lakritze“ (Sigrid Fath), Kaffee, Kuchen und Kinderprogramm auf der früheren Liegewiese der eigentlich geschlossenen Freizeiteinrichtung: „Hier wollen wir wieder ein Freibad stehen haben.“ Zur Besucherresonanz bei niedrigen Lufttemperaturen am Sonntag sagte Haug: „Angesichts des Wetters sind wir nicht unzufrieden.“

Von Aktiven wie den Altgemeinderätinnen Margarete Zitzelsberger und Helga Zühl-Scheffer, zugleich Vorsitzende des Ortsverbands, freudig begrüßt wurde auch Uli Sckerl. Der hiesige Landtagsabgeordnete wünschte den Ilvesheimer Grünen „mindestens eine Verdoppelung der bisher zwei Mandate“. Dass vor Ort gute Arbeit gemacht werde, zeige sich auch daran, dass sich die CDU der grünen Position in Sachen nachhaltiger Haushalt inzwischen angeschlossen habe, und in Konsequenz daraus auch die Finanzierung des geplanten Kombibads kritisch sehe.

Haug will Planung stoppen

Was würde Haug tun, der mit Ratskollegin Sara Nick-Toma (44) die Grünen-Liste anführt, wenn er Bürgermeister wäre? Auf diese Frage führt der 45-jährige Bankbetriebswirt und Vater von drei Kindern aus: „Die Planung für ein Hallenbad, das sich nur noch Kombibad nennt, würde ich stoppen.“ Wenn man dann mit tatsächlichen Einsparungen im Gesamthaushalt ein Stück weiter gekommen sei, würde er, Haug, ein „Freibad bauen, was sehr viel kostengünstiger ist“.

Auch der 33-jährige Felix Scheffer (Listenplatz drei) „fände es schön, wieder ein Freibad zu haben“. Der in Ilvesheim aufgewachsene Juniorentrainer der örtlichen SpVgg-Kicker steht wie Abiturientin Ina Reis (19) und Studienrätin Barbara Bollenbach (31) für eine „Erneuerung des Ortsverbands und des Gemeinderats“. Scheffer findet ebenso, es müsse am Ende noch Geld da sein für die anstehende Sanierung der Mehrzweckhalle.

„Ilvesheim ist zu Recht stolz auf seine Kinderbetreuung, und die ist uns deutlich wichtiger als ein Hallenbad zu bauen“, so Haug. Die Haushaltslage sei jedoch prekär. Ein vielbeachtetes Schaubild zeige die steile Abwärtskurve der finanziellen Rücklagen auf. Um die bedrohte Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu bewahren, wolle man „keine finanziellen Abenteuer mit ungewissem Ausgang“.

Das ursprünglich geplante Kombibad, so Haug, sei eingedampft worden, nachdem die Finanzaufsicht das Stoppschild gehoben habe, und laufe faktisch nur noch auf ein Hallenbad hinaus, das nicht die gleiche Funktion als sozialer Treffpunkt habe wie ein Freibad. „Es ist für uns klar absehbar, dass danach kein Geld mehr da ist“, sagt Gemeinderat Haug. pj