Ilvesheim

Ilvesheim Die 19-jährige Grünen-Rätin Ina Reis hat ein klares Lieblingsthema

„Für die Umwelt etwas bewegen“

Zwei befreundete, junge Damen sorgten bei der Ilvesheimer Kommunalwahl am 26. Mai für die größte Überraschung. Mancher Zeitgenosse sprach sogar von Sensation, als die 19-jährigen Julia Weiss (SPD) und Tina Reis (Grüne) ins Kommunalparlament einzogen. Julia Weiss startete auf Platz 6 und landete auf Platz 3. Dieser reichte für ein Mandat bei der stark gebeutelten SPD (wir berichteten). Die SPD-Fraktion verlor zwei Sitze. Anders war es bei den Grünen, die ihren Anteil an Ratssitzen von zwei auf fünf erhöhte. Ihren Verdienst daran hat auch Ina Reis, die auf Rang 4 startete und als Zweitplatzierte im Ziel ankam.

Als Neuling sammelte sie 1935 Stimmen, nur 170 weniger als der arrivierte Fraktionssprecher Michael Haug. „Das Wahlergebnis war für mich eine totale Überraschung“, bekennt Ina Reis im Gespräch mit dem „MM“. „Das hat mich natürlich sehr gefreut, zumal ich mich jetzt im Gemeinderat für die Umwelt einsetzen kann“, blickt die 19-Jährige auf ein Aufgabenfeld, das ihr sehr am Herzen liegt. „Ich will umweltpolitisch etwas bewegen“, macht sie klar. In ihrer Familie ist sie die erste Kommunalpolitikerin. „Die Eltern sind politisch nicht interessiert“, erzählt Ina Reis. Dennoch ebnete ihr die Mutter den Weg zu den Grünen.

Die Mama interessiere sich für Artenvielfalt und habe deshalb Kontakt zum Grünen-Ortsverband aufgenommen, so die neue Gemeinderätin. Dies weckte auch das Interesse von Tochter Ina, zumal diese eh schon ein Faible für die Umwelt entwickelt hat. Die Grünen sind für Ina Reis die Partei, in der sie ihre Belange am stärksten verwirklicht sieht. „Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer anderen Partei zu sein“, bezieht sie Position. Sie versucht ihren ausgeprägten Umweltgedanken auch privat möglichst konsequent umzusetzen. Sie reduziert das Autofahren auf ein Mindestmaß und setzt aufs Radfahren. Wobei sie Elektroautos nicht als Allheilmittel zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen sieht. Dafür sei die Öko-Bilanz bei der Herstellung der Modelle mit dem alternativen Antrieb viel zu schlecht.

Verzicht und Rücksicht

„Durch Verzicht und Rücksicht kann man auch einen Beitrag leisten“, versucht sie sich selbst einzuschränken und erzählt, dass sie mit ihren 19 Jahren erst einmal geflogen sei. Auch die Tiere liegen der Grünen-Rätin am Herzen. So kommt es nicht von ungefähr, dass sie sich vegan ernährt und auf Fleisch, Eier und Milch verzichtet. Mit einer pflanzlichen Ernährung trägt man zum Schutz des Regenwaldes bei. Bäume müssten nicht für Weideflächen der Tiere gefällt werden, sieht sich Ina Reis in ihrer Haltung bestärkt. Aber schon vor der Haustür will sie für mehr Grün kämpfen. „Ilvesheim soll grüner werden“, fordert sie. Und hofft, dass mehr Bäume gepflanzt werden. Die neue Gemeinderätin will aber auch als Vermittlungsstelle zwischen der Jugend und der Politik wirken. Über eine erste Anfrage hat sie sich bereits gefreut, als sie von einer jungen Ilvesheimerin wegen einer Müllsammelaktion angesprochen wurde. „Da kommt schon etwas an“, berichtet die 19-Jährige. Das Thema will sie verfolgen. Gut möglich, dass sie schon bald mit Mitstreitern zum Sammeln von Unrat ausrückt.

Kinder und Pferde

Ihr Geld möchte sie später einmal als Ernährungswissenschaftlerin verdienen, verrät sie. Das Studium will sie demnächst aufnehmen. Möglichst in der Nähe. „Ich will meine Pflicht als Gemeinderätin nicht vernachlässigen“, begründet sie. Da ist ja auch noch ihr Hobby, das sie weiterhin pflegen möchte. Auf dem Jugendreiterhof in Käfertal arbeitet sie mit Kindern und Pferden. Die Kleinen werden angeleitet, eine Beziehung zum Partner Pferd aufzubauen. Reiten steht dabei nicht an erster Stelle, sondern die Kommunikation zwischen Mensch und Tier, sagt die Ilvesheimer Pferdeflüsterin.

Klare Position bezieht Ina Reis bei Ilvesheims dominierendem Thema: „Ich bin klar gegen das Kombibad. Das können wir uns einfach nicht leisten“, setzt sie lieber auf andere Pferde, wie beispielsweise den Umweltschutz.