Ilvesheim

Ilvesheim Bundestagsabgeordneter bespricht Thema Pflege im Vetter-Stift

Für Lamers zählt, wie man alt ist

Archivartikel

Im Zuge seiner Sommertour hat der Bundestagsabgeordnete Karl Lamers (CDU) im Seniorenstift Heinrich-Vetter in Ilvesheim einen Zwischenstopp eingelegt. Im Mittelpunkt der Gespräche stand das Thema Pflege. Dieses berühre ihn persönlich, sagte er. Seine Mutter sei selbst im Pflegeheim gewesen. Er könne deshalb vor allem den Zeitdruck nachempfinden, dem die Mitarbeiter ausgesetzt seien.

Bürgermeister Andreas Metz betonte, das Thema habe in der Gemeinde einen hohen Stellenwert. So habe man bereits ein Seniorenbüro eingerichtet. Hier würden verschiedene Angebote für ältere Menschen koordiniert und vernetzt. Den Beschluss der Bundesregierung, 13 000 neue Stellen zu schaffen begrüße er. „Neue Plätze sind gut, aber wer soll diese besetzen?“, klagt Christiane Reuter, Leiterin im Haus am Waldpark in Ladenburg und im Vetter-Stift in Ilvesheim. Die Zahl der Bewerbungen sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Trotzdem nehme man nicht jeden: „Für uns steht der Bewohner im Mittelpunkt: Es muss immer passen.“

Oft habe das Personal mit Bewohnern zu kämpfen. „Manche lassen sich von Frauen nichts sagen“, nennt Reuter ein Beispiel. Dass der Beruf Altenpfleger überwiegend ein Frauenberuf sei, mache dies nicht einfacher. Männer seien besonders in solchen Fällen eine große Hilfe. „Sie bringen Ruhe in das Chaos“, erklärt die Leiterin. „Doch reicht die Anzahl der Kräfte überhaupt?“, möchte Lamers wissen. „Es reicht für die grundlegenden Dinge: Essen reichen und Waschen“, sagt Pflegedienstleiterin Melanie Matt, fügt jedoch hinzu: „Für die Bewohner hat man jedoch kaum Zeit.“

Genau aus diesem Grund seien Ehrenamtliche immer eine große Hilfe. Im Stift gebe es regelmäßige Programmpunkte, wie Vorlesen oder Singen, um die Bewohner zu beschäftigen. Auch die Verwandtschaft sei gut eingebunden, erklärt Matt. Trotzdem brauche es mehr Entlastung. Das Image des Berufes spiele dabei eine wichtige Rolle, betont Leiterin Christiane Reuter.

Doch wie kann man den Beruf attraktiver machen? „Viele sagen: Geld, Geld, Geld“, erklärt Pflegedienstleiterin Melanie Matt. „Für mich wäre der Beruf attraktiver, wenn ich mehr Zeit für die Bewohner hätte.“ Prämien nützten nichts, wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmten.

Lamers verspricht, diese Eindrücke mit in den Bundestag zu nehmen und das Thema im Auge zu behalten. „Es ist nicht wichtig, wie alt man ist, sondern wie man alt ist“, erklärt er. Christiane Reuter merkt an: „Ich wollte nie in die Altenpflege, bin seit 1999 hier und könnte mir nichts Schöneres mehr vorstellen.“