Ilvesheim

Wettbewerb Der 1. FC Nürnberg schlägt im Finale den SV Waldhof Mannheim mit 2:0 / Adler-Stimme Udo Scholz wieder Stadionsprecher

Gewinner sind nicht in Feierlaune

Archivartikel

Heiße Temperaturen rund um das Ilvesheimer Neckarstadion – zum 64. Insel-Cup gibt sich das Wetter tropisch. Auch auf dem Platz steht die Luft. Die Sportler kämpfen um ihre Platzierungen. Es gilt: Das Runde muss ins Eckige. „Auf geht’s Jungs. Haut mal rein jetzt“, bringt es Stadionsprecher Udo Scholz auf den Punkt.

In der prallen Nachmittagssonne rennen die Spieler des FC Brügge und des FC Augsburg über den Platz. Nach mehr als zwei Tagen Turnier sind die Füße schwer, bei jedem Schritt flattert das Granulat des Kunstrasens durch die Luft. „Ein Blickfang ist unser Torwart in Pink. Tim Wiese hat scheinbar einen Stiefsohn“, witzelt Scholz und auch das Publikum kann sich den einen oder anderen Lacher nicht verkneifen.

Nach zwei Halbzeiten steht fest: Es geht ins Elfmeterschießen. Die Sonne brennt auf das Neckarstadion und auch auf dem Platz glühen die Füße – mit starrem Blick fokussieren die Torschützen den Ball und versenken die Kugel schließlich im Netz. Die Augsburger Jungs gewinnen mit 4:2 das Spiel um den fünften Platz beim Insel-Cup.

Für Abkühlung in den Spielpausen sorgen die Sprinkleranlagen. Zwischen den Wassertropfen hindurch springen nicht nur die Fußballspieler, sondern auch die jüngsten Besucher des Turniers. Lachend rennen die Kinder durch die Wasserfontänen und jagen dem Regenbogen hinterher, der sich mit der Rotation der Sprinkler mitzudrehen scheint. Dass die Autogrammheftchen durchnässt werden, stört nicht.

Schlachtrufe vor dem Anpfiff

„Türkis sieht schon mal gut aus. Mut zur Farbe“, kündigt Adler-Stimme Scholz die drei Schiedsrichter des nächsten Spiels an. Vor dem Anpfiff stecken die Junioren noch einmal die Köpfe zusammen. Dabei hat jede Mannschaft ihren eigenen Schlachtruf parat – zumindest ein laut schallendes „Hu“ ist immer zu hören.

Die Turnier-Neulinge Wolverhampton Wanderers beeindrucken das Ilvesheimer Publikum vor allem mit ihrem Torwart. Gekonnt fischt der junge Engländer die Bälle aus den Ecken und sorgt auch in brenzligen Situationen für Sicherheit. „Eine tolle Leistung, die wir hier sehen. Der Torwart der Engländer spielt nicht zu Unrecht in der Jugend-Nationalmannschaft“, zeigt sich auch Scholz begeistert von den sportlichen Leistungen des jungen Spielers.

Jubel und Enttäuschung liegen am Finaltag des Insel-Cups nah beieinander – das Publikum fiebert bei jeder Torchance mit. „Ganz stark gemacht. Das Ding hat gesessen“, lobt ein Zuschauer die Toreinlage der Engländer. „Haben sie gut probiert. Schade“, erklärt ein Fußballfan enttäuscht bei dem gescheiterten Angriff des 1. FC Kaiserslautern seinem Sitznachbarn. Schon haben die beiden Männer die Köpfe zusammengesteckt und diskutieren wild gestikulierend über die vertane Chance.

Jenseits des Spielfelds geht es ruhiger zu: Während es sich die Eltern mit Sonnenbrille auf der Nasenspitze im Schatten bequem gemacht haben, spielen die Kinder auf der Laufbahn Fußball. Ein junger Sportler dribbelt auf die aufgestellte Torwand zu und setzt zum Schuss an – der über den Zaun fliegt und auf dem angrenzenden Parkplatz landet. Schnell dreht er sich um und kontrolliert, ob Mama und Papa etwas bemerkt haben. Sichere Tore können die Kinder beim Tischkicker schießen, zudem gibt es auch ein Schminkangebot. Mit Fußbällen, einem quitsch-gelben Minion oder einem glitzernden Einhorn auf dem Arm suchen sich die jungen Stadionbesucher zum Finale schnell einen Platz auf der voll besetzten Tribüne.

Publikum fiebert im Finale mit

Im Finale treffen die „Buwe“ vom SV Waldhof Mannheim auf die Jungs vom Nürnberger „Club“ – und bei den Mannheimern will es einfach nicht klappen. „Den hätte er lupfen müssen“, sagt ein Zuschauer und wirft enttäuscht die Arme in die Luft. Gespannt verfolgt das Publikum jeden Zweikampf und jeden Pass. Nach 50 Minuten Finalspiel und drei Tagen Fußball in Dauerschleife steht der Turniersieger schließlich fest – und der kann sich darüber irgendwie so gar nicht freuen.

Die Junioren des 1. FC Nürnberg schlagen Waldhof mit 2:0. Ob es am Ende des Tages an der Hitze lag oder am Sportsgeist – der Bundesliga-Nachwuchs jubelt beim Abpfiff nicht und nimmt auch bei der Siegerehrung den Pokal mit versteinerter Miene entgegen. Mit dem Pott in den Händen schleicht sich beim Siegerbild dann doch noch ein Lächeln auf das Gesicht der Junioren.