Ilvesheim

Neckar-Bergstraße Karin Jung und Traudl Wochele-Rupp betreuen Einrichtung im Ilvesheimer Bürgerhaus Hirsch / Serie „Heimat im Museum“ (Teil 2)

„Hilfe kommt, wenn wir sie brauchen“

Archivartikel

„Wir brauchen nicht viele Worte“, charakterisiert Karin Jung die perfekt eingespielte Zusammenarbeit mit Traudl Wochele-Rupp. Die beiden Ehrenamtlichen leiten seit vielen Jahren das gemeindeeigene Heimatmuseum im Bürgerhaus Hirsch. „Am Anfang war noch Isolde Zorn dabei“, erinnert sich Wochele-Rupp daran, als das Trio die Einrichtung 1993 übernahm.

Das Museum ist etwas älter. „Die Gemeinde hat es 1992 hergerichtet und ein paar Dinge reingestellt“, erinnert sich Wochele-Rupp an die Anfänge. „Aber ein Konzept gab es nicht.“ Die Ehrenamtlichen setzten zuerst auf feste Öffnungszeiten, doch nicht lange. Denn sie mussten die Erfahrung vieler Museumsleute machen: Wer die Dauerausstellung einmal gesehen hat, kommt meist nicht wieder. „Deswegen machen wir pro Jahr im Durchschnitt zwei bis drei Sonderausstellungen“, schildert Karin Jung das Gegenmittel.

So entstanden Schauen zu lokalen Themen wie Blindenschule oder Vereins- und Schuljubiläen und zu allgemeinen wie 50er Jahre oder „Ein Tag bei den Römern“, über Orchideen, Rosen und Hunde. Manches davon ist nicht museumstypisch, aber der Erfolg gibt dem Duo recht. Nach den Ausstellungen schenkten Leihgeber dem Museum ihre Altertümer. So entstand über die Jahre ein beachtlicher Fundus.

Doch die räumlichen Kapazitäten stoßen mittlerweile an ihre Grenzen. Das bedauern die beiden Ehrenamtlichen. Denn sie sehen ihre Aufgabe nicht nur darin, Ausstellungen zu organisieren, sondern auch in der Erhaltung interessanter alter Dinge mit Ortsbezug. „Deswegen wäre es schön, wenn wir über einen Depotraum verfügen könnten“, meint Karin Jung. Aber auch auf andere Weise bewahren die beiden Ehrenamtlichen wichtige Überlieferungen: Sie haben Aussagen von alten Ilvesheimern über die verschiedensten Themen auf CDs verewigt.

Füße im Herd aufgewärmt

Zu vielen Exponaten in den drei Etagen können die beiden Damen Geschichten erzählen, wodurch die toten Gegenstände einen Bezug zum Leben von Personen erhalten. Das gilt für den Kanonenofen von Eduard Grabinger, dem Kunstglaser und Fischernachenträger. Ebenso für die Osterhasenformen des Bäckers Felix Link. Oder für den alten Herd. Karin Jung: „Wenn ich erzähle, dass wir als Kinder da nach dem Schlittenfahren die Füße reingesteckt haben, sind die Schüler ganz erstaunt.“ Seit 2014 trifft sich im Museum während des Winterhalbjahrs immer dienstagabends eine besondere Gruppe: die „Stricklieseln“. „Da wird erzählt und gestrickt, eine tolle Runde“, schwärmt Karin Jung.

Wie schaffen es die beiden Ehrenamtlichen, zwei oder drei Ausstellungen pro Jahr zu organisieren, dazu Schulklassen und andere Gruppen zu führen? „Hilfe kommt immer, wenn wir sie brauchen“, antwortet Traudl Wochele-Rupp. Bei Bedarf sprechen die beiden Damen gezielt Bekannte an. Auch die Verwaltung hat immer ein offenes Ort, wenn Unterstützung gebraucht wird. Dass Karin Jung selbst bei der Gemeinde arbeitet, schadet da sicherlich nicht. Einen Förderverein, wie er anderen Museen zur Seite steht, halten beide nicht für zwingend nötig.

Nachfolger gesucht

Das seit vielen Jahren eingespielte Zweier-Team kommt also gut zurecht. Doch eine Sorge beschäftigt die beiden, die in der Museumslandschaft viele Ehrenamtliche umtreibt. Wochele-Rupp: „Es wäre schön, wenn jemand ins Thema hineinwachsen würde, der später unsere Aufgaben übernehmen könnte.“ Doch momentan bleibt den beiden keine Zeit zum Suchen: Sie stecken in den Vorbereitungen für die Bierkrugausstellung und das Bierfest, mit dem die Schau am 1. September eröffnet wird.