Ilvesheim

Ilvesheim Nach 40 Jahren muss Helga Münster ihr Kosmetikstudio schließen / Mietvertrag nicht verlängert

„Ich hätte gerne noch eine Weile weiter gemacht“

„Es fällt mir richtig schwer“. Helga Münster hat sich 40 Jahre als Kosmetikerin für die Schönheit und die Pflege anderer eingesetzt und jetzt muss sie ihr Geschäft in Ilvesheims Schlossstraße 28 schließen. Zum 13. September hat der Gesichtsdampfer ausgedampft, die Peelingkur ist passé. Helga Münster muss zum 30. September ihr Geschäft komplett räumen. Der neue Hausbesitzer hat den Mietvertrag für das Kosmetikgeschäft nicht verlängert.

Nun muss die gelernte Kosmetikerin den Laden schließen. Und das im 40. Jubiläumsjahr. Selten war ein Geburtstag so traurig. Das anerkannte Fachgeschäft will dennoch mit den Kunden feiern: Am 1. September steigt die Abschiedsparty. Mit Wehmut blickt die Ilvesheimerin auf ihr Lebenswerk. „Ich hätte gerne noch ein paar Jahre weiter gemacht“, bedauert Helga Münster das Ende. Auch wenn sie das Rentenalter schon überschritten hat, so wollte sie dennoch für das Wohlbefinden und die Pflege ihrer Kundschaft ein paar Jährchen anhängen. Nun bereitet sie sich zusammen mit ihrer Kollegin Conny Künzler, die seit 23 Jahren an ihrer Seite steht, auf das unausweichliche Ende vor.

Beginn in der Bergstraße

Ein neues Geschäft an anderer Stelle kommt für Helga Münster nicht in Frage. Zahlreiche Kunden haben ihr Hilfe bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie angeboten. Die Geschäftsfrau lehnte dankend ab. Mehrere tausend Gesichter hat sie in der Schlossstraße behandelt. Nur hier hätte sie weiter gemacht. Dabei war der Beginn in Ilvesheims Bergstraße 49, wie sich Helga Münster erinnert. In der eigenen Immobilie empfing die gelernte Kosmetikerin und medizinische Fußpflegerin in ihrer Wohnung ihre ersten Kunden. Zwei Jahre später erfolgte der Umzug in die Schlossstraße 28, wo ein Milchladen bis dahin Kunden versorgt hatte.

„Vor 40 Jahren war ein Kosmetikstudio noch eine Seltenheit“, blickt Helga Münster auf die Anfänge zurück. In Ilvesheim gab es in diesem Bereich jedenfalls keine Konkurrenz. Die Bürger blickte noch etwas argwöhnisch auf ein solches Geschäft, erinnert sich die Ilvesheimerin. Die Frauenwelt war jedoch bereit, die Dienste des Betriebs anzunehmen. Und die Geschäftsinhaberin setzte auf Weiterbildung, um ein breites Spektrum an Behandlungen anbieten zu können. Als Farb- und Stilberaterin oder als Ayurveda-Wellness- und Beauty-Therapeutin bot sie mehr als die reine Gesichtsbehandlung und Fußpflege an.

Auch Männer lassen sich pflegen

Früher setzte die Kosmetikerin mehr ihre Hände ein, heute gibt es große maschinelle Unterstützung bei den Behandlungen. Früher war das Kosmetikstudio eine Domäne der Frauen. Seit zehn Jahren sei es aber auch für Männer ganz normal, ein Kosmetikstudio zu besuchen, berichtet Helga Münster von ihren Beobachtungen. Lange vor diesem Trend hatte Helga Münster ihren Onkel auf dem Behandlungsstuhl. „Allerdings dürfte das niemand wissen“, berichtet sie von der anfänglichen Scham eines Mannes. „Auch Teenager legen mehr Wert auf ihr Äußeres“, weist Conny Künzler auf eine weitere Beobachtung hin. Auch wenn das starke Geschlecht sowie Teens vermehrt über die Schwelle des Kosmetikstudios schreiten, so macht bei Helga Münster der Anteil der Frauen dennoch 80 Prozent aus.

So oder so: Es werden nicht mehr, denn am 13. September müssen sich Helga Münster und Conny Künzler von ihrem Geschäft sowie der Kundschaft verabschieden.