Ilvesheim

Ilvesheimerin kümmert sich um Eichhörnchen

Frieda packt zu. Beherzt greift das Eichhörnchen die Milchflasche mit den Pfoten und nuckelt am Sauger. Doch nach wenigen Schlucken wendet sie sich ab und will auf die Schulter ihrer Pflegerin krabbeln. Heike Jung muss lachen. Sie stellt die Flasche ab und nimmt Frieda in beide Hände. „Sie ist schon etwas anhänglich“, sagt die Tierarzthelferin mit einem Leuchten in den Augen.

Jung arbeitet in der Tierarztpraxis Wendel in Mannheim, wohnt aber in Ilvesheim. Vor einigen Wochen brachten Tierhalter, die sie aus der Praxis kennt, das Eichhörnchen zu ihr. Die Familie hatte das junge Tier am Straßenrand gefunden. Nachdem sie sich versichert hatten, dass kein Muttertier sich seiner annehmen würde, brachten sie das Eichhörnchen in die Praxis. Das Besondere: Als Paten beteiligen sich die Finder weiterhin an den Kosten für die Aufzucht.

Frieda hat sich seitdem prächtig entwickelt, sagt Jung. In dem Fläschchen, das sie dem Tier gerade noch hinhielt, ist Aufzuchtmilch, die auch für Katzen verwendet wird. Allerdings will Frieda immer weniger davon. „Vor wenigen Wochen hat sie noch die ganze Flasche ausgetrunken.“ Der Grund für ihre Zurückhaltung: Frieda nimmt mittlerweile immer mehr feste Nahrung zu sich, zum Beispiel Nüsse, Trauben oder Sonnenblumenkerne.

Jung schätzt das Alter von Frieda auf etwa zehn Wochen. Die Pflegerin geht davon aus, dass das Eichhörnchen mit fünf bis sechs Wochen zu ihr gebracht wurde. Was Frieda genau in ihre Situation gebracht hat, weiß Jung nicht. „Es kann passieren, dass die Jungtiere einfach aus dem Kobel fallen.“ So werden die Nester von Eichhörnchen genannt.

Stöcke zum Spielen

Frieda ist derweil ein wenig aufgeregt. Ihr Bewegungsdrang und ihre Neugier sind nicht zu übersehen. Wenn Jung Friedas Körper nicht gerade mit beiden Händen sanft, aber bestimmt umschließt, wuselt sich das Eichhörnchen heraus und krallt sich am Oberteil seiner Pflegerin fest. Jung setzt Frieda deshalb in die Transportbox, bevor sie weiterredet. Darin sind eine Decke, eine Wasserschale und ein paar Stöcke zum Spielen. „Für Eichhörnchen ist es wichtig, dass sie einen Platz zum Verstecken haben“, erklärt die Fachfrau

Seit drei Jahren kümmern sich die Mitarbeiter der Tierarztpraxis Wendel um Eichhörnchen, die zu ihnen gebracht werden. „Bisher haben wir alle durchgebracht“, sagt Jung. Eine Sache macht ihr aber trotz allem Sorgen. In den vergangenen Wochen hätten sich die Fälle von Eichhörnchen in gefährlichen Situationen gehäuft. Warum das so ist, kann Jung derzeit noch nicht sagen.

Eines ist aber klar: Die Pflege der kleinen Geschöpfe bringt einiges an Aufwand mit sich. Häufig braucht es spezielle Medikamente, eine besondere Milch (Eichhörnchen vertragen keine Kuhmilch), Futter sowie einen Käfig. Dieser darf nicht zu klein sein. Für die Aufzucht der Eichhörnchen opfern Ärzte und Helfer einen Teil ihrer Freizeit.

Die Kosten für die „Vollpension“ übernimmt die Praxis. Immer mehr Tiere bringen aber auch immer mehr finanziellen Aufwand mit sich. Jung und ihre Kollegen haben deshalb eine Spendenkasse aufgestellt. „Die Erlöse fließen zu hundert Prozent in die Pflege“, versichert die Ilvesheimerin. Und eine weitere Bitte hat sie noch: „Wer ein Eichhörnchen zu uns bringen möchte, sollte vorher anrufen. Nicht immer haben wir die Kapazitäten, um ein Tier aufzunehmen.“

Dass die Eichhörnchen zu ihr gebracht werden, findet sie aber auf jeden Fall gut. Wer kein Experte sei, solle die Tiere besser nicht zu Hause behalten. „Eichhörnchen sind keine Haustiere“, stellt Jung klar: „Irgendwann fangen sie an zu beißen.“ Wer selbst Haustiere hat, also zum Beispiel einen Hund oder eine Katze, hat, muss noch mehr aufpassen. Häufig haben Eichhörnchen Flöhe. Für den Menschen sind sie keine Bedrohung, Hunde können aber leicht von den Parasiten befallen werden.

In die Ecke gekuschelt

Jung wildert die Eichhörnchen aus, wenn sie groß genug sind. Dafür ist ein sogenanntes Auswilderungsgehege am besten geeignet. Die Mitarbeiter und Ärzte der Praxis nutzen dafür einen Garten im Mannheimer Stadtteil Friedrichsfeld. Dort gibt es große Bäume mit vielen Unterschlupf-Möglichkeiten. Das Wichtigste ist aber, dass es aus dem Garten einen Weg nach draußen gibt. „So können sich die Tiere vortasten und Schritt für Schritt die Wildnis erkunden.“ In den ersten zwei Wochen kommen die Eichhörnchen immer wieder zurück, irgendwann sind sie so eigenständig, dass das nicht mehr nötig ist.

Frieda springt derweil in ihrer Box herum - immer noch auf der Suche nach einem idealen Versteck. Es ist nicht mehr so leicht, das Tier vor die Linse zu bekommen. Dann kommt sie noch einmal kurz nach vorne und nippt am Wasserschälchen. Als sie sich danach in die Ecke kuschelt, ist sie nicht mehr zu sehen. Heike Jung muss grinsen: „Ich glaube, Frieda hat den Fototermin gerade eben beendet.“

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