Ilvesheim

Ilvesheim Musik und Geschichten – Trio FabuLust tritt bei „Kultur im Dunkeln“ in ungewohnter Besetzung auf

Im „Schwarzen Salon“ wird es plötzlich hell

Zuhören und Entspannen, und das mit allen Sinnen, fast allen Sinnen. Der Sehsinn kommt nicht zum Einsatz, denn im „Schwarzen Salon“ der Blindenschule Ilvesheim ist es dunkel, richtig dunkel. Wer glaubte, dass sich die Augen irgendwann an die Dunkelheit gewöhnen und man zumindest Licht und Schatten wahrnehmen könnte, der wurde eines Besseren belehrt. Es war dunkel und es blieb dunkel, bis das schier Unfassbare passierte.

Als die Schüler und Betreuer wieder einmal die Gäste total professionell zu ihren Plätzen geleitet hatten, wurde es hell im „Schwarzen Salon“. Nicht richtig hell, aber immerhin war genug Licht vorhanden, um die komplette Umgebung zu sehen. Der Leiter von „Kultur im Dunkeln“ Gunter Bratzel erklärte ganz lapidar: „So ist das nun einmal, wenn wir in Ilvesheim einen Stromausfall haben. Dann springt automatisch das Notstromaggregat an.“

Nachdem sich die Schüler und Betreuer kurz vorgestellt hatten und für ihre Leistungen auch großen Applaus erhielten, begrüßte Gunter Bratzel sowohl das Publikum als auch die Künstler. Hinter FabuLust verbirgt sich eigentlich ein weibliches Trio. Da allerdings die Erzählerin der Gruppe ausgefallen war, sprang spontan Dirk Nowakowski für sie ein, so dass FabuLust mit der Sängerin Bernadette Pack und der Cellistin Nelly Noack doch zu ihrer märchenhaften Klangreise aufbrechen konnten.

Das Trio hatte in dieser Formation noch nie zusammen auf der Bühne gestanden und so durfte man gespannt sein, wohin die Reise führen würde, zumal Dirk Nowakowski im Vorfeld verlauten ließ, dass er sich entsprechend der Stimmung der Musik spontan für eine Geschichte entscheiden würde. Das Repertoire der Sopranistin war vielfältig. Zudem unterstrich sie den Ausdruck ihrer Lieder mit den Klängen ihrer indischen Shrutibox.

Test belegt: Niemand schläft

Bernadette Pack startete das Programm mit einem französischen Lied über einen blinden Vagabunden, der Dinge sehen konnte, die den Sehenden vorbehalten blieben. Aufgrund der Dunkelheit war die Botschaft für das Publikum durchaus nachvollziehbar. Nelly Noack unterstützte mit ihrem Cellospiel die Harmonie aus gesungenem und gesprochenem Wort. „Das Publikum zeigt mir normalerweise, ob es meine Geschichten mag. Das ist im Dunkeln natürlich schwierig. Ich weiß noch nicht einmal, ob nicht schon der ein oder andere schläft.“ So forderte Dirk Nowakowski die Zuhörer zu einer spontanen Aktion auf. Auf ein „Krick“ antworteten die Gäste ohne zu zögern mit „Krack“ und somit war klar, dass keiner der Anwesenden vor sich hinschlummerte.

Während Bernadette Pack vorwiegend getragene Lieder vortrug, waren die Geschichten von Dirk Nowakowski spannend, rührend aber auch lustig. FabuLust forderte das Publikum zu einem letzten gemeinsamen Lied auf, bevor Gunter Bratzel wieder Licht in den „Schwarzen Salon“ ließ und sich jetzt schon auf die kommende Saison von „Kultur im Dunkeln“ freute.