Ilvesheim

Ilvesheim Zweitliga-Trainer Kenan Kocak Gast beim „Nachbarschaftsgespräch“ / Fußballlehrer lebt mit Familie in der Inselgemeinde

„Integration muss beidseitig ablaufen“

Archivartikel

Dass Integration keine Einbahnstraße ist, daran ließ der prominente Fußballtrainer Kenan Kocak beim „Nachbarschaftsgespräch“ in Ilvesheim keine Zweifel. „Der Prozess muss beidseitig ablaufen“, setzte der Fußballlehrer von Hannover 96 die Bereitschaft von allen Parteien für ein Miteinander voraus.

Kenan Kocak, der in der Türkei zur Welt kam, wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Ilvesheim. Für seinen Job pendelt er regelmäßig an die Leine. Gerne habe er sich die Zeit für den Austausch in der Mehrzweckhalle genommen, verriet der erfolgreiche Trainer. Die „Nachbarschaftsgespräche“ werden von der Allianz für Beteiligung gefördert, einem Netzwerk, das sich für die Stärkung von Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg einsetzt.

Ilvesheims Bürgermeister Andreas Metz hob hervor, dass man „niedrigschwellig mit Menschen ins Gespräch kommen will“. Dass zur Thematik Integration allerdings nur sehr wenige in die Mehrzweckhalle kamen, wurde vom Ortsoberhaupt ebenso bedauert wie von Dieter Münster, Sprecher des Arbeitskreises Integration. Die Gemeinde als auch der Arbeitskreis traten als Veranstalter auf. Die Moderation hatte Harald Hofmann (ergebnisDialog, Viernheim) übernommen.

Mit Blick auf die überschaubare Runde meinte Cheftrainer Kocak, dass es nicht auf eine große Zahl von Beteiligten ankomme. Wichtiger sei es, die Menschen zu erreichen. Das zeige ihm auch sein jahrelanges Engagement in Sachen Integration. Kocak, der über die Trainerstationen bei Türkspor, VfR, Waldhof Mannheim und Sandhausen in den hohen Norden ankam, ließ keinen Zweifel daran, dass die Integration in der Familie beginne.

„Man muss den Kindern Werte vermitteln“, so der Ilvesheimer. Er nannte dabei Toleranz gegenüber anderen Nationen, Kulturen, Religionen oder Meinungen. „Jeder muss bereit sein, sich an Regeln zu halten“, so Kocak weiter. Dies bedeute aber nicht, dass man kulturelle oder religiöse Eigenheiten aufgebe, bekannte der Fußballlehrer. Auch Bürgermeister Metz befand, dass die Kommune bestrebt sein müsse, das Miteinander zu stärken.

Dem Sport wurde in der kleinen Runde allgemein eine große Rolle bei der Integration beigemessen. Hier werden Werte wie Respekt, soziales Verhalten und Rücksichtnahme vermittelt, betonte auch AK-Sprecher Dieter Münster. „Bewegung geht bei den Kindern auch ohne Sprache“, ergänzte Conni Fischer, Turnabteilungsleiterin bei der Spielvereinigung Ilvesheim. Kenan Kocak bestätigte dies: „Das ist der erste Schritt der Integration.“ Die Sprache folge dann peu à peu, führte er aus.

Weitere „Nachbarschaftsgespräche“ folgen: Am 29. November, 17 Uhr, im Feuerwehrgerätehaus, können Bürger mit Florence Brokowski-Shekete, Mannheimer Schulamtsdirektorin, ins Gespräch kommen. Brokowski-Shekete ist die erste Schwarze, die in Deutschland solch eine Position bekleidet.

Beim dritten Termin sollen Geflüchtete erläutern, was sie unter Integration verstehen. In der Inselgemeinde leben aktuell 150 Geflüchtete aus 60 Ländern. Sie sind in der Kommune dezentral untergebracht.