Ilvesheim

Ilvesheim Klaus-Peter Baumers Buch über die Herren von Hundheim / Wichtiger Beitrag zur Adelsgeschichte

Kometenhafter Aufstieg – und ein langer Weg in den Ruin

Über Jahre hat sich Klaus-Peter Baumer mit den Freiherren von Hundheim befasst. Lohn der Mühe ist ein bemerkenswertes Buch, das mit einer Überraschung beginnt: Die Freiherren, zwischen 1700 und 1813 Ortsherren in Ilvesheim, zählen nicht zum alten Adel. Anfang des 15. Jahrhunderts leben die ältesten bekannten Mitglieder der Familie Hontheim als Handwerker in Trier, vor allem als Metzger- und Webermeister. Hundert Jahre später zählen sie zu den angesehensten Beamtenfamilien im Dienst der Erzbischöfe von Trier.

Das Adelsdiplom erhält am 6. April 1622 Johann Wolfgang von Hundheim (1588 bis 1641) für sich und seine Nachfahren von Kaiser Ferdinand II. wegen der Verdienste um das Haus Österreich. Er ist Begründer des Kurpfälzer Familienzweigs. Als bedeutendster Spross der Familie gilt Lothar Friedrich (1688 bis 1723). Er tritt in die Dienste des Pfälzer Kurfürsten und wirkt als geschickter Diplomat, worüber der Leser ausführlich unterrichtet wird. Er ist es auch, der 1700 von Kurpfalz das Ilvesheimer Lehen mit dem in den Kriegen zuvor beschädigten Schloss erhält. Der Autor beschreibt im Detail die Besitzungen in Ilvesheim, die dortigen Einnahmen und die weiteren Bestandteile des Lehens.

Steile Karriere

Welche Karrieren in diesen kriegerischen Zeiten möglich sind, zeigt der Autor auch am Beispiel des Freiherrn Joseph Anton von Reibelt (1707 bis 1773). Der Sohn eines Amtmanns der Herren von Hundheim steigt zum Staats- und Konferenzminister des Kurfürsten Carl Theodor auf, was unter seinen adligen Kollegen „einiges Erstaunen“ hervorruft.

Baumer und Co-Autor Ralf Fetzer begnügen sich jedoch nicht damit, die Geschichte der männlichen Linie zu skizzieren. Sie verfolgen auch die Schicksale der Töchter, die in andere Adelshäuser eingeheiratet haben, und schildern die Geschicke dieser Familien. Der Leser erhält so Einblicke in die Adelswelt des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Dabei zeigt das Schicksal des Johann August Alexander von Kolb, dass auch ein Adelstitel nicht vor völliger Verarmung rettet: „Er starb 1814 an einer Leberentzündung in Offenau als Almosenempfänger der Gemeinde.“ Ausführlich widmet sich der Autor dem Schloss in Ilvesheim, geht auf Vorgeschichte und Aussehen ein.

Doch im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Familie von Hundheim. Und damit sieht es nach dem Tod Lothar Friedrichs nicht gut aus. Denn unter seinen Nachfahren geht der Einfluss am kurpfälzischen Hof verloren, die Einkünfte schrumpfen, und es wird zu viel Geld ausgegeben. Der Abstieg hat begonnen.

Eine starke Frau

Die Verhältnisse scheinen sich zu stabilisieren. Doch dann verliert die Familie im Gefolge der Französischen Revolution ihre linksrheinischen Besitzungen. In diesen schwierigen Zeiten übernimmt mit Friederike von Hundheim nach dem frühen Tod ihres Gatten eine starke Frau zwischen 1776 und 1791 die Führung des Hauses. Der Autor: „Vieles deutet darauf hin, dass sie willensstark und streitbar – zudem mit einigem Geschick – die Geschicke des Hauses bestimmte.“

Im Mai 1797 heiratet Joseph von Hundheim Rebecca Freiin Überbruck von Rodenstein. Der Empfang in Ilvesheim wird im Buch ausführlich geschildert. Im frühen 19. Jahrhundert gilt das Schloss als beliebter Treffpunkt junger Adliger und Heidelberger Gelehrter. Doch es ist eine Scheinblüte: 1803 wird die Kurpfalz aufgelöst, wodurch weitere Einnahmequellen entfallen. 1813 übergibt Joseph von Hundheim die Ortsherrschaft an den badischen Staat, behält aber den Grundbesitz. Die finanziellen Probleme und der frühe Tod der beiden letzten männlichen Hundheimer bringen das Ende: 1857 fallen das Schloss und die restlichen Besitzungen an das Land Baden. Und 1901 stirbt in Bensheim mit Freiin Ferdinande Ludovica von Hundheim die Letzte ihrer Familie.

Auf 608 Seiten haben Klaus-Peter Baumer und Fetzer eine ungeheure Menge an Fakten zusammengetragen und einen wichtigen Beitrag zur Adelsgeschichte des 18. Jahrhunderts geliefert. Viele Abbildungen lockern den Text auf, und etliche Dokumente geben einen Einblick in die Ausdrucksweise vergangener Zeiten.