Ilvesheim

Ilvesheim Die Inselgemeinde legt am Donnerstag ihren ersten doppischen Haushaltsentwurf vor

Komplizierter Wechsel mit Mehraufwand

Archivartikel

„Wir haben einen Systemwechsel, der erst einmal erfasst und verstanden werden musste“. Ilvesheims Bürgermeister Andreas Metz spricht über die Umstellung von Kameralistik auf Doppik. Die Einführung des Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens (NKHR) und der damit verbundene Umstieg ist für Gemeinden in Baden-Württemberg bis zum Jahre 2020 Pflicht. Ilvesheim führte das NKHR zum 1. Januar 2018 ein. Am 26. Juli soll der erste doppische Haushalt der Inselgemeinde verabschiedet werden. Am Donnerstag, 28. Juni, bringt die Verwaltung im Gemeinderat den Haushaltsentwurf ein.

Von einer „sehr komplizierten und aufwendigen Sache“ spricht auch Ilvesheims Kämmerer Klaus Hering. Es hätten sich unwahrscheinlich viele Fragen ergeben, so Hering. Der Systemwechsel führte zu einem eindeutigen Mehraufwand. Zudem war der Kämmerer teilweise auf sich alleine gestellt, erwähnt Bürgermeister Metz die ungenügende personelle Situation. „Das gesamte Vermögen der Gemeinde Ilvesheim musste erfasst werden“, nennt Hering eine Basisarbeit. Nun weiß die Kommune, dass ihre Grundstücke, Straßen, Wege und Plätze einen Wert von elf Millionen Euro haben.

Vermögen erfasst

Alle Vermögensbestandteile sind erfasst, auch Stühle wurden inventarisiert, ist den Worten von Kämmerer Hering zu entnehmen. „Die Gemeinde wird betrachtet wie ein Unternehmen“, ergänzt Bürgermeister Metz. Dies erforderte, so Metz, dass der Kämmerer die knapp 400 Seiten des alten Haushalts gänzlich neu schreiben musste, eine Fortsetzung wie in den Jahren zuvor nicht möglich war. Der neue Haushalt mit neuen Begrifflichkeiten erfordere auch andere Darstellungsweisen, verabschiedete sich der Kämmerer von gewohnten Mustern. Neu sei dabei auch, dass der Ressourcenverbrauch aufgezeigt werde. Die bisherige Unterteilung in einen Verwaltungs- und Vermögenshaushalt ist entfallen.

Das NKHR stützt sich auf drei Elemente (Ergebnis-, Finanzhaushalt und Vermögensrechnung), die dem kaufmännischen Rechnungswesen ähneln. Der Ergebnishaushalt bildet dabei das Herstück. Hier werden alle laufenden Vorgänge der Gemeinde geplant und in der Ergebnisrechnung gebucht. Um außerordentliche Vorgänge von der laufenden Verwaltungstätigkeit unterscheiden zu können, wird neben dem ordentlichen Ergebnis auch ein Sonderergebnis ausgewiesen. Die beiden Teilergebnisse werden dann zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst.

Was steht nun im Ergebnishaushalt, welche Ansätze hat die Verwaltung angenommen? Da summieren sich ordentliche Erträge auf 19,1 Millionen Euro. Darunter fallen unter anderem Steuern und ähnliche Abgaben (9,8 Millionen Euro) oder Zuweisungen, Zuwendungen und Umlagen (6,3 Millionen Euro). Die ordentlichen Aufwendungen kommen auf 21,1 Millionen Euro. Hierzu zählen die Personalaufwendungen (knapp fünf Millionen Euro), Aufwendungen für Sach-/Dienstleistungen (3,7 Millionen Euro) oder Transferaufwendungen (9,6 Millionen Euro). Das veranschlagte Gesamtergebnis liegt bei Minus zwei Millionen Euro – sprich es entsteht ein Ressourcenbedarf in dieser Höhe. Werden die Beträge um die Positionen aufgelöste Invest.-zuwendungen/-beiträge und um Abschreibungen bereinigt, würde sich nach kameralen System eine Negativzuführung in Höhe von 741 070 Euro ergeben.

Im Finanzhaushalt werden alle kassenmäßigen Geldbewegungen dargestellt. Zum Jahresabschluss wird eine Vermögensrechnung erstellt. Sie stellt das Vermögen und die Finanzierungsmittel gegenüber. Im aktuellen Plan sieht die Kommune keine Kreditaufnahmen vor. Allerdings wird der Gesamtbetrag der Verpflichtungsermächtigungen für Investitionen auf 14,4 Millionen Euro festgesetzt – falls das Kombibad gebaut werden sollte.