Ilvesheim

Ilvesheim Veranstaltungsreihe Kultur im Dunkeln der Blindenschule / „Rolltreppen von La Palma“ begeistern Publikum mit Humor und Programmauswahl

Konzert kommt ohne Beleuchtung aus

Kultur im Dunkeln stellt immer wieder eine Herausforderung dar, zumindest für die Künstler und das Publikum. Während die Schüler und Betreuer sichtlich entspannt waren, sah man am Eingang zum schwarzen Salon doch einige angespannte Mienen. Der Leiter des Arbeitskreises „Kultur im Dunkeln“ Gunter Bratzel betonte vor der Vorstellung: „Sie werden sich anfangs unwohl fühlen, weil wir es einfach gewohnt sind zu sehen. Dieses Empfinden vergeht aber sehr schnell.“ Eine Besucherin bestätigte diese Wahrnehmung: „Ich dachte, meine Augen würden sich an die Dunkelheit gewöhnen, und ich würde zumindest Schatten erkennen, aber komplette Finsternis ist eine ganz besondere Erfahrung.“ Bevor die Künstler mit ihrem Programm starteten, stellten sich noch kurz die Schüler und Betreuer mit ihrem Namen und ihrer jeweiligen Funktion vor. Allein für ihr professionelles Führen in den schwarzen Salon erhielten sie großen Applaus vom Publikum.

Besucher aus allen Altersklassen

Gunter Bratzel begrüßte das Publikum und freute sich besonders, weil sich in dem wie immer ausverkauften schwarzen Salon sehr junge als auch gesetztere Gäste befanden. Zudem gesellten sich zu den Besuchern, die erstmalig an einem Konzert in der Blindenschule teilnahmen auch viele „Wiederholungstäter“. Die Rolltreppen von La Palma hatten den Abend unter das Motto „Wagen - Genießen - Durchhalten“ gestellt. Man durfte also gespannt sein. Das erste Lied war gleich faszinierend. „Samsara“, ein Stück aus der Feder von Jörg Fischer. Es ging um den verstorbenen Vater seiner Bandkollegin und beinhaltete die Wiedergeburt und den ewigen Kreislauf. Das Intro war dementsprechend etwas mystisch ausgelegt und erinnerte an Wasserfallklänge, bevor die Ballade schließlich Fahrt aufnahm. Obwohl die Band im Vorfeld im Dunkeln geprobt hatte, besitzt ein Konzert eine ganz andere Dimension. Der Schlagzeuger wollte gerade mit dem nächsten Lied starten, als eine Stimme aus dem Hintergrund zu hören war: „Ich muss erst noch mein Instrument finden und hoffe, dass ich zurückkommen kann.“ Während der Schlagzeuger die kurze Pause künstlerisch überbrückte, war die Stimme nochmals zu vernehmen: „So, ich habe mein Akkordeon gefunden, jetzt muss ich nur noch die richtigen Knöpfe finden.“ Das Publikum amüsierte sich und lachte herzhaft über den Humor der Musikerin. Die Gruppe präsentierte eine Mischung aus Eigen- und Fremdkompositionen.

Ungewöhnlicher Bandname

Die Rolltreppen von La Palma kommunizierten mit dem Publikum auf ihre eigene witzige Art und Weise. So kündigten sie das Lied „Flaming Star“ an mit: „Das ist von dem Typen mit den coolen Hüften.“ Auf die Frage, wer dieser Typ denn gewesen sei, kam die spontane und lautstarke Antwort aus dem Publikum „Elvis“. Mit der Ankündigung des letzten Liedes „Supermarché“ hagelte es bereits Proteste von den Zuhörern. Letztendlich blieb noch eine Frage offen. Wie kommt man zu so einem ungewöhnlichen Bandnamen? Ganz einfach, zwei Bandmitglieder waren auf La Palma und wunderten sich, dass es nirgends, noch nicht einmal am Flughafen, Rolltreppen gab. Dieser Eindruck war letztlich der Auslöser. Die Besucher durften sich über zwei Zugaben freuen, bevor Gunter Bratzel wieder Licht in den schwarzen Salon ließ.