Ilvesheim

Neckar-Bergstraße Flurbereinigung begleitet Neubau der L 597 mit Neckarbrücke / Für Trasse und Ausgleichsmaßnahmen soll Flächen neu geordnet werden

Mehrere Landwirte lehnen Verfahren ab

Archivartikel

Ein Flurbereinigungsverfahren soll Grundstücke im zentralen Bereich der geplanten Landestraße 597 zwischen Friedrichsfeld und Ladenburg neu ordnen. Das bringt mehrere Landwirte auf die Palme, wie sich bei der so genannten Aufklärungsversammlung in der Ilvesheimer Mehrzweckhalle zeigte. Insgesamt rund 40 Interessenten, Besitzer oder Bewirtschafter von Agrarflächen in Ilvesheim-Neckarplatten, Seckenheim, Friedrichsfeld und Neckarhausen kamen zu dieser Auftaktveranstaltung des in Sinsheim ansässigen Kreisamts für Flurneuordnung. Dort hatte man mit 50 bis 100 Besuchern gerechnet.

„Übel und Chance zugleich“

Es gilt, für Trasse und naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen Flächen bereitzustellen, so der Leitende Ingenieur Jascha Bosch. Auch um den Flächenverlust durch den Straßenbau zu minimieren, seien die Eigentumsverhältnisse neu zu ordnen. „Dieser Prozess wird uns bis zu zehn Jahre lang begleiten“, sagte Ilvesheims Bürgermeister Andreas Metz als Gastgeber. Er hob die zu erwartende „signifikante Entlastung von innerörtlichem Verkehr“ durch die neue L 597 hervor. Das begleitende Verfahren sei „zugleich notwendiges Übel und Chance“, die eine sinnvolle Neueinteilung bringe. Doch ahnte ein Insider schon: „Es wird nicht nur wegen der hohen Temperaturen hitzig zugehen, das ist normal, denn die Abgrenzung des Gebiets ist immer heikel.“ Er sollte recht behalten.

Der Reihe nach: Eingangs erläuterte Hans Joachim Krauß vom Regierungspräsidium Karlsruhe dem „MM“: „Wir wollen die Straße bauen, und es gibt in dem Gebiet erbsittenbedingt viele Flächen, die sehr klein und für Bauern schlecht zu bewirtschaften sind.“ Deshalb habe man mit der Sinsheimer Behörde vereinbart, eine Flurbereinigung zu machen, damit aus „Handtüchern Grundstücke werden, die sich gut bearbeiten und arrondieren lassen“. Es gebe auch viele, die aufhören und Land verkaufen wollten. „Es soll jeder möglichst das kriegen, was er haben will“, sagte Krauß übereinstimmend mit späteren Aussagen von Bosch.

Weitere Aspekte verdeutlichte der Sinsheimer Amtsleiter Lothar Schlesinger: „Die Flurneuordnung soll Durchschneidungseffekte der Trasse mindern und ist die beste Methode, um Folgeschäden einer solchen Straßenbaumaßnahme sozialverträglich zu beseitigen.“

Der Friedrichsfelder Hartmut Erny von der Interessengemeinschaft Mannheimer Landwirte bemängelte, dass viele keine Information über diesen Termin erhalten hätten. Schlesinger wies dies zurück: „Wir haben das gemacht, was wir zu diesem frühen Zeitpunkt tun müssen und können.“ Erny hegte auch grundsätzliche Vorbehalte: „Wir brauchen keine Flurbereinigung, weil wir Landwirte flexibel genug sind, um Flächen zu tauschen.“ Erny plädierte „für so wenig Landschaftsverbrauch wie möglich“. Deshalb seien auch die beiden geplanten Feldbrücken über die L 597 „für die Katz’“.

Die Kritik gipfelte darin, dass ein Seckenheimer Landwirt dazu aufrief, juristisch gegen die geplante Flurbereinigung vorzugehen. „Lassen Sie die Finger von Seckenheim: Das ist für mich eine Enteignung“, meinte ein Redner, der mehrfach schlechte Erfahrungen mit ähnlichen Verfahren gemacht habe. „Das ist es nicht“, erwiderte Bosch. „Wir nehmen Ihre Anregungen und Hinweise gern mit“, zeigte sich Schlesinger mit 47-jähriger Erfahrung bei Flurneuordnungen routiniert. Er warb um Mitwirkung im demokratisch gewählten Vorstand. Danach erst werde der konkrete Kreis der Beteiligten ermittelt.