Ilvesheim

Ilvesheim Viertägige Kerwe klingt lautstark und fröhlich aus / Gretel erlebt eine lange Odyssee

Quetschekuche als Lösegeld

Archivartikel

Der Kerwe-Sonntag mit Live-Musik brachte für viele Ilvesheimer die Erlösung. Abends rockte die T-Band die Ilvesheimer Kerwe, als ein verschollener Gast die Bühne betrat: Die Kerwe-Gretel war wieder da! Keine vier Stunden nach Beginn der Veranstaltung am Freitagabend war sie schon entführt worden. „So früh ist die noch nie geklaut worden“, kommentierte ein Besucher die tollkühne Aktion.

Von Helfern im Rathaus wurde sie fast unbemerkt abgebaut und aus dem Haus gebracht. In einem schwarzen Plastiksack verließ sie unauffällig das Gelände, wurde in ein wartendes Fluchtauto gepackt und später auf einem Dachboden mit viel Wodka abgefüllt. Für den Sonntag war die Rückgabe geplant, gegen drei Kästen Bier sollte die Puppe von der Karnevalsvereinigung Insulana ausgelöst werden.

„Wir hatten die Schlumbel in einem Anhänger mitgebracht“, schildert Entführer M. die Übergabe . Um 14 Uhr sollte sie auf der Vogelweide stattfinden: „Die Vogelweide war ideal, da kann man nur von einer Seite rankommen.“ Doch es kam ganz anders, wie M. berichtet, denn es waren noch andere Leute auf dem Gelände: „Ich dacht noch, ich hab jemanden über den Zaun springen sehen.“

Marius von der Feuerwehr hatte Wind von der geplanten Übergabe bekommen und sich zusammen mit seinen Kameraden Lukas und Julian überlegt, wie sie an die Gretel herankommen könnten. „Julian und ich hatten uns als Jogger verkleidet“, wie Marius das weitere Geschehen aus seiner Sicht erzählt, „während Lukas im Fluchtauto blieb.“ Tatsächlich kamen die Entführer irgendwann: „Mit einem Aufsitzrasenmäher und einem Anhänger, da saß sie drin.“

„Wir hatten uns im Schutze des benachbarten Maisfeldes angeschlichen und dann hinter Bäumen die Lage beobachtet“, wie Marius erzählt: „Wir haben auf den richtigen Moment gewartet.“ Und der kam dann auch: Die Entführer parkten den Rasenmäher um, stellten ihn weiter hinten im Gelände ab. „Das war ideal für uns, dann haben wir zugegriffen, wir sind raus, über den Zaun gesprungen, haben die Gretel geschnappt, sind zum wartenden Fluchauto gerannt und weggerast.“

„Das war schon ein ziemlicher Coup“, bewertet Entführer M. verdutzt die Aktion: „Das war meine erste Entführung, aber jetzt sind wir schlauer.“ Als die Insulana-Leute pünktlich um 14 Uhr kamen, meinten die Entführer nur: „Ihr seid zu spät! Vor 20 Minuten wurde die Gretel von anderen gemopst.“

Nach einem erholsamen Samstag am Pool war die Gretel dann Stargast beim abendlichen Konzert der T-Band. Das Rathaus, die Kerwemädels und die Schule waren weitere Stationen, ehe sie schließlich an die Insulana zurückgegeben wurde: „Bier haben wir genug am Stand“, erzählt Marius: „Wir wollten was Soziales machen.“ Deshalb erhalten die Bewohner des Hospiz St. Vincent jetzt das Lösegeld: Quetschekuche von der Insulana. Marius: „Das war ein fairer Deal.“

Gretels Stunden waren unterdessen schon gezählt. Montagabend wurde nochmals kräftig gefeiert und kurz nach 21 Uhr setzte sich der Trauerzug zum Kerweende in Bewegung: Die Kerwe-Schlumbel lag da schon verhüllt auf der Bahre: „Waren des geile Kerwetage“, sagte Kerwepfarrer Andreas I. in seiner abschließenden Kerwerede: „Ich könnte ewig weiterfeiern.“

Zum respektvollen Umgang forderte er auf, „weil alles andere ist dumm.“ Und mit viel „Rhabarber, Rhabarber“ verabschiedete er die Kerwe: „Feiert, lebt und lacht“, gab er den letzten Kerwegästen noch mit auf den Weg, bevor sich dieGretel mit einem brillanten Feuerwerk für 2019 in den sternklaren Himmel verabschiedete.