Ilvesheim

Ilvesheim Volkshochschule und Heinrich-Vetter-Stiftung zeigen schwere Kunst im Skulpturengarten

Reges Interesse an Kulturtour

Gemeinsam luden die Volkshochschule Ilvesheim und die Heinrich-Vetter-Stiftung (HVS) zu einer Führung durch den Skulpturengarten an der Goethestraße 13 ein. Dr. Jochen Kronjäger, insgesamt 21 Jahre an der Mannheimer Kunsthalle unter anderem als Kurator für Skulpturen und stellvertretender Chef tätig, hatte es wieder einmal übernommen, etliche Kunstwerke, die sich im Garten der Stiftung befinden, vorzustellen und zu erläutern.

Keiner der mit 25 Teilnehmern ausgebuchten Kulturtour hatte den Termin versäumt und so konnte HVS-Geschäftsführer Hartwig Trinkaus eine sehr interessierte Gruppe auf dem Areal des ehemaligen Vetter-Familiensitzes begrüßen. Sein Dank galt Dr. Kronjäger, der Heinrich Vetter lange Jahre in Kunstfragen beraten und begleitet hatte.

Rund 40 Plastiken und Skulpturen

Rund um den heutigen Sitz der Heinrich-Vetter-Stiftung befinden sich etwa 40 Plastiken und Skulpturen, zu denen Dr. Kronjäger wie kein anderer Erläuterungen geben kann. Der Kunsthistoriker griff einige Beispiele aus der in Mannheim und Ilvesheim verstreuten gut hundert Werke umfassenden Sammlung heraus und skizzierte Vetters Ansatz, Kunst zu sammeln.

„Vetter hat sich schon sehr früh für beide Richtungen in der Kunst interessiert, für die Gegenständliche, weil Traditionelle, aber auch für eine völlig neue Richtung in der Kunst, nämlich die Konstruktiv Konkrete“, so Kronjäger. Gerade abstrakte Werke habe es ja bis zum Ende des zweiten Weltkrieges in Deutschland so gut wie nicht gegeben, „beziehungsweise durfte es nach Nazi-Vorgabe auch nicht geben“. Kein Wunder also, dass sich nach dem zweiten Weltkrieg diese Entwicklung in der deutschen Kunst nachholte, auch vertreten durch Bildhauer, die in Ilvesheim zu finden sind.

So stellte Kronjäger zu Beginn Alf Lechners Werk „Kreis im Halbkreis“ vor. Die Arbeit aus Edelstahl wurde 1989 hier in Ilvesheim vor dem Stiftungshaus aufgestellt. Ist diese Arbeit schon recht gewichtig, so legt Eberhard Fiebig mit seinem massiven Kunstwerk „Sem“ kräftig nach. 1985 schuf er die in sich verkeilten tonnenschweren Schienen aus Peiner Stahl. Mit Aluminium arbeitete die Mannheimer Bildhauerin Lene Sicker-Hummel. Ihre Werke „Aufblätterung“, „Auffächerung“ und „Zerstörung“ stammen aus 1979. Von ihr sind weitere Werke in Mannheim, etwa in der St. Bernhardkirche und am MVV-Hochhaus, zu sehen. Dieter Lahme hatte seinen Entwurf „Doppelhof“ Vetter zunächst im handlichen Kleinformat präsentiert, ehe sich Vetter 2001 entschloss als eines der letzten von ihm erworbenen Skulpturen, diese Plastik als seltene Festmontage mit stattlichen 1,70 Metern Höhe in Edelstahl ausführen und aufstellen zu lassen.

Nicht mehr zeigen konnte Kronjäger die „Große Raumplastik“ von Norbert Kricke. Das Werk vom Künstler 1980 vor Ort in Ilvesheim montiert, wurde anlässlich der Neugestaltung der Mannheimer Kunsthalle auf die Eingangsseite des Jugendstilgebäudes verbracht und dort aufgestellt.

Kronjäger gab auch Informationen zu den gegenständlichen Arbeiten eines Karl-Heinz Krause oder Martin Mayer, konzentrierte sich aber auf jene Künstler, „die sich ganz stark und streng mit dieser Kopfkunst auseinandergesetzt haben“. Vetter hat sich ebenfalls mit dieser Kunst befasst, sie erworben und mit seiner Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Kein Wunder also, dass eine Teilnehmerin am Schluss sagte: „Das war wirklich etwas ganz besonderes heute.“