Ilvesheim

Ilvesheim Vertreter von Vereinen, Organisationen sowie Parteien erarbeiten Konzept für bessere Beteiligung der Jugend

Stolpersteine und freies Surfen

„Wir wollen unsere Blauäugigkeit aufgeben und die Probleme der Jugend hören.“ Mit diesem Statement brachte der stellvertretende Bürgermeister Günter Tschitschke jetzt das grundlegende Gesprächsthema der Jugendvertreterversammlung auf den Punkt. Ein Meinungsbild der Jugend einholen – das ist das zentrale Ziel der Runde aus 16 Teilnehmern.

Darunter sind Vertreter der Jugendfeuerwehr, der Evangelischen Kirche, der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), der Jungen Union, Sozialarbeiter des Jugendzentrums (JUZ) und Gemeinderäte der Freien Wähler und der Grünen. „Heute sind wir unter uns. Wir können alles loswerden, was uns beschäftigt und ungehemmt zu Wort kommen“, sagte Tschitschke zu Beginn.

Die Gemeindeordnung Baden-Württembergs legt fest, dass Kinder und Jugendliche angemessen am Geschehen in einer Kommune beteiligt werden müssen. Jede Gemeinde kann ihre eigene Methode finden, um diesem Vorsatz gerecht zu werden. Der Frage, welche Form speziell für Ilvesheim geeignet ist, gingen die JUZ-Sozialarbeiter Lena Keil und Christian Hölzing auf den Grund. Sie arbeiteten gemeinsam ein Säulen-Konzept aus. Die erste Säule umfasse genau jenes Zusammenkommen, das am Donnerstagabend zum zweiten Mal zustande gekommen ist: eine regelmäßige Jugendvertreterversammlung.

Aktionstag geplant

Die zweite Säule beschreibe das Projekt der Ortsdetektive, das alle Drittklässler der Friedrich-Ebert-Grundschule und der Schloss-Schule durchlaufen. Hierbei wird Ilvesheim bei Ortsbegehungen von den jungen Detektiven „kritisch unter die Lupe genommen“, erklärte Keil. Die dritte Säule stelle das das sogenannte Jugendforum dar. Bei dieser offenen Beteiligungsform sind alle Kinder und Jugendlichen willkommen. Sie diene dazu, Angelegenheiten aufzuarbeiten, zu diskutieren und neue Ideen und Projekte zu entwickeln.

Dabei stehe zunächst das Sammeln von Themen im Mittelpunkt. Anschließend sollen die Teilnehmer die Angelegenheiten in Kleingruppen vertiefen und präsentieren. Dieses Konzept möchten die Sozialarbeiter mit einem Aktionstag verbinden – eine Idee, die bereits 2008 schon einmal realisiert wurde. Dank der Kombination aus Jugendforum und Aktionstag könne die Jugend noch tiefer in das aktuelle Geschehen, aber auch in die Geschichte der Stadt eintauchen.

Dabei sollen auch die Stolpersteine und deren historischer Hintergrund ein Thema von Workshops sein, waren sich die Jugendvertreter einig. Die Stolpersteine werden in nächster Zukunft vor Häusern in Ilvesheim eingelassen, in denen von Nationalsozialisten verfolgte und ermordete Menschen gelebt haben. „Die Steine erinnern an unsere Geschichte, vor der wir die Augen nicht verschließen dürfen“, erklärte Carina Suchalla, Vertreterin der KjG. Felix Scheffer, Gemeinderat der Grünen, wies jedoch darauf hin, dass die Stolpersteine bis zum angedachten Termin des Aktionstages aus zeitlichen Gründen noch nicht verlegt sein werden.

„Interesse an Geschichte groß“

Trotzdem fasste Tschitschke stolz zusammen: „Es hat sich heute in kurzer Zeit herauskristallisiert, dass das Interesse an der Geschichte Ilvesheims groß und das Thema für die Jugend hochinteressant ist.“ Damit möglichst viele Jugendliche mitmachen, benötige der Aktionstag eine gründliche Vorbereitung und eine enge Zusammenarbeit der Vereine: „Wir müssen es schaffen, dass nicht jeder nur für sich und seinen Verein kämpft. Wir müssen uns schon anstrengen, um die Jugend zu begeistern und so viele wie möglich mit ins Boot zu bekommen.“

Ein letzter Punkt war die Einrichtung von kostenlosen Internetzugängen an Schulen. Vor einem Jahr habe sich die Gemeinde bei einem Projekt auf EU-Ebene angemeldet, das ein Budget von 15 000 Euro zur Verfügung stellt. Vor einem halben Jahr wurde der Zuschlag Ilvesheim zugesprochen. Den Betrag aber habe die Stadt noch nicht abgerufen. Denn dafür müssten mehrere Internet-Zugangspunkte auf dem Gemeindegebiet eingerichtet werden. Das führe wiederum dazu, dass das Geld nicht einmal für das erste Jahr ausreichen würde, erklärte Hauptamtsleiter Marc Schneider. „Aber wir arbeiten daran“, versprach er.