Ilvesheim

Ilvesheim Auch die Insel-Gemeinde betroffen

Synagoge und Friedhof zerstört

„Was haben wir euch denn getan?“ Seit dem 70. Jahrestag der Deportation der letzten verbliebenen Jüdinnen und Juden ins Lager Gurs in Südfrankreich stellt sich die Gemeinde Ilvesheim vor einem Mahnmal dieser seit dem 22. Oktober 1940 unbeantwortet gebliebenen Frage. Am Samstag, 10. November, stehen Vertreter der politischen und christlichen Gemeinden zusammen mit Mitbürgern wieder fragend an der Gedenkstätte vor der Gemeindebücherei, wenn sich die Novemberpogrome zum 80. Mal jähren.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war auch Ilvesheim zum Schauplatz der NS-Rassen- und Vernichtungsideologie geworden. Die Wohnungen von Ilvesheimern jüdischen Glaubens sowie die Synagoge in der Hauptstraße und der Judenfriedhof in der Scheffelstraße wurden von den Nationalsozialisten geplündert und zerstört.

In der Hauptstraße 35

Unter den Herren von Hundheim war ab 1709 planmäßig mit der Ansiedlung von Juden begonnen worden. Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich zunächst auf die Hauptstraße. Hier entstand im Jahre 1810 im Haus Nummer 35 eine Synagoge. Sie befand sich unmittelbar hinter einem der Hochwasserdämme – der Bereich wurde früher deshalb auch Judendamm genannt. An die Synagoge angeschlossen war eine Schule mit Lehrerwohnung. Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch ein rituelles Bad und der Friedhof, der 1860 angelegt wurde.

Im 19. Jahrhundert hatten die jüdischen Gewerbetreibenden des Dorfes als Handelsleute, Makler und Trödler größere wirtschaftliche Bedeutung für die Kommune. Die Zahl der jüdischen Einwohner hatte sich von 150 im Jahre 1825 (14,5 Prozent von insgesamt 1034 Einwohnern), über 156 im Jahre 1864, zu 107 im Jahre 1875 bis hin zu 38 im Jahre 1910 entwickelt. Im Jahre 1933 lebten 28 jüdische Personen in der Gemeinde. Das waren rund ein Prozent der insgesamt 2411 Einwohner.

Wegen wirtschaftlichem Boykott, zunehmenden Repressalien und Entrechtung verließen die meisten jüdischen Bürger in den folgenden Jahren die Gemeinde. Ab 1936 waren die jüdischen Geschäftsinhaber gezwungen, ihre Betriebe zu liquidieren und auszuwandern. Beim Novemberpogrom 1938 wurden sechs jüdische Mitbürger in das KZ Dachau verschleppt. Das unmenschliche Schicksal der letzten sieben jüdischen Einwohner ist bekannt: Sie wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.

Für die 13 Ilvesheimer Opfer des Holocaust hat die Kommune im Jahre 2010 von Steinmetzmeister Detlev Kleineidam eine Gedenkstätte installieren lassen. Sie besteht aus 13 Sandsteinpfeilern, die in Form eines Fragezeichens angeordnet sind. Am Samstag, 16 Uhr, versammeln sich hier Ilvesheimer, um an grausames Unrecht zu erinnern, das jüdischen Mitbürgern widerfuhr.

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