Ilvesheim

Ilvesheim Pfarrerin Eva Weisser wird nach 15 Jahren in der Martin-Luther-Kirche verabschiedet

Viele bunte Erinnerungen

Archivartikel

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ – dieser Spruch prägte die Abschiedsfeier von Pfarrerin Eva Weisser. Nach 15 Jahren verließ sie Ilvesheim am Sonntag mit einem Gottesdienst in der evangelischen Martin-Luther-Kirche. Die Nachfolge ist noch nicht geklärt.

Eine volle Kirche, zahlreiche Gemeindemitglieder, Freunde und Familie begrüßten die Pfarrerin beim Einzug. „Liebe Gemeinde, ich liebe diese Kirche – inzwischen“, begann sie ihre Predigt. Das Gebäude schaffe einen Raum für die eigenen Gedanken. Man könne sich sowohl mit der eigenen Freude als auch Zweifeln auseinandersetzen.

Menschen begegnet

„Kirche ist ein Raum von null bis 99 Jahren, wie es auf der Spieleanleitung stehen würde“, betonte Weisser. „Dass sie für uns alle offen ist, sollten wir uns einprägen.“ Diesen Gedanken zu fördern, sei ihr in der langjährigen Tätigkeit sehr wichtig gewesen.So könne man Gott auch an anderen Orten begegnen, doch treffe man in der Gemeinde auch den Menschen – dies mache den Unterschied. An verschiedenen Orten, wie dem Friedhof, im Kinderhaus Sonnenburg oder auch im Gottesdienst selbst habe es viele solcher Begegnungen gegeben und sich der Raum für Gemeinschaft geweitet.

Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller griff diesen Gedanken auf. „Räume hast du ganz bewusst geschaffen“, betonte sie. Nun wünsche sie ihr Zeit mit der Familie, die aufgrund der Arbeit oft hinten anstehen musste. Als Anspielung auf einen Beinbruch im Januar und einen gebrochenen Zeh vor einiger Zeit gab es Schuhe als Geschenk zum Abschied. „Ich wünsche dir, dass du leichtfüßig und sicheren Schrittes durch alle Herausforderungen gehst“, fügte die Dekanin lachend hinzu. Die Personen für die Segnung hatte sich Eva Weisser selbst ausgesucht. „Das waren alles Menschen, mit denen ich eine intensive Zusammenarbeit oder Geschichte teile“, betonte sie.

Viele Beteiligte richteten sich auf individuelle Art und Weise zum Abschied an die Pfarrerin. Kinder der Sonnenburg sangen ein Lied, der Kirchengemeinderat hatte ein Gedicht verfasst und Ballerinas der Tanzschule Zeitz überraschten ebenso mit ihrem Auftritt wie die Musiker. Diakon Karl Hoock bedankte sich für die enge Zusammenarbeit im Vetterstift und auch Bürgermeister Andreas Metz sprach seinen Dank aus. „Bei vielen Gesprächen habe ich festgestellt: Unsere Berufe sind sich ziemlich ähnlich“, erklärte er. Man habe viel Kontakt zu Menschen, das persönliche Umfeld leide jedoch aufgrund der zeitintensiven Aufgaben darunter.

„Etwas bleibt zurück“

Jahrelanger Religionsunterricht an der Friedrich-Ebert-Schule gehörte zu Eva Weissers Tätigkeiten. Direktorin Monika Maier verabschiedete sie mit einer bunten, gepunkteten Tasse. „Niemals geht man ganz: Etwas bleibt zurück und behält seinen Platz in uns“, erklärte sie ihre Intention hinter dem Geschenk. Die bunten Punkte stünden für die verschieden gefärbten Erinnerungen, welche die Pfarrerin bei Schülern und Kollegen hinterlassen habe.

Eine Woche lang sei sie noch in der Gemeinde, erzählte Weisser im Anschluss an die Feierlichkeiten. In dieser Zeit gebe es noch viele kleinere Abschiede. Danach heiße es, die Koffer für den Umzug nach Edingen zu packen. „Der Umzugswagen kommt Ende August“, sagt die evangelische Pfarrerin. Eine Nachfolge gibt es noch nicht, wie Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller erzählt. Das sei jedoch auch nicht ungewöhnlich. „Wir müssen mit dem Kirchengemeinderat jetzt absprechen, ob wir die Stelle ein zweites Mal ausschreiben oder beim Oberkirchenrat direkt um Besetzung bitten“, sagte die Dekanin. So lange übernehme Pfarrerin Antje Pollack aus Neckarhausen die Stelle zur Hälfte in der Gemeinde.