Ilvesheim

Ilvesheim Pfarrerin Eva Weisser wird am 22. Juli in der Martin-Luther-Kirche verabschiedet

Zwischen Tränen und Freude

„Ich habe jetzt erstmal den Plan, keinen Plan zu haben“, sagt Eva Weisser, Pfarrerin der Martin-Luther-Kirche in Ilvesheim. Am Sonntag, 22. Juli, um 18 Uhr wird sie nach 15 Jahren in der Gemeinde verabschiedet. Sie habe sich für zwei Jahre beurlauben lassen, um mehr Zeit mit ihrer Familie, vor allem ihren Kindern, verbringen zu können. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Die Stellenausschreibung läuft noch bis Mitte Juli, wie die Dekanin des Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim, Monika Lehmann-Etzelmüller, informiert.

Eva Weisser wurde in Mannheim geboren, wuchs in Edingen auf und ging in Ladenburg zur Schule. Nach ihrem Studium in Heidelberg und Bern und einer Anstellung im Schwarzwald habe es sie wieder in die Region gezogen. Die Stelle in Ilvesheim sei besonders reizvoll gewesen, da sie die Kinder- und Jugendarbeit wieder aufbauen konnte. Dazu seien in anderthalb Jahrzehnten einige Projekte angestoßen worden. So gebe es Angebote vom Krabbel- bis zum Familiengottesdienst zu bestimmen Anlässen wie Erntedank. „Die Kinder sollen wissen: Das ist meine Kirche, hier bin ich zu Hause.“ In den vergangenen Jahren wurde im hinteren Teil der Kirche eine Krabbelecke errichtet. Hier können Eltern ihre Kinder mit Spielzeugen beruhigen, falls der Gottesdienst zu lange geht.

Prägende Eindrücke

Auch die Zusammenarbeit mit dem Kinderhaus Sonnenburg sei immer ein schönes Erlebnis. Sowohl die Erwachsenen als auch die Jugendlichen würden sich in Form von Projekten oder Betreuung der Konfirmanden immer wieder beteiligen. „Gemeinde heißt auch: Da kommen Menschen mit ihren eigenen Kompetenzen und können sich einbringen“, beschreibt Weisser und betont, wie selbstständig sich viele Ilvesheimer engagieren. Es sei auch nicht ein einzelner Moment gewesen, der sie geprägt habe, sondern viele Menschen und Begegnungen. Vor allem Gespräche rund um Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen hätten viele Eindrücke hinterlassen.

Dabei war die Karriere lange Zeit nicht vorgezeichnet. Der Religionsunterricht und Theologie hätten sie zwar schon zu Schulzeiten interessiert. Aber sie habe sich nicht vorstellen können, Pfarrerin zu werden. Auch nach Beginn des Studiums sei sie noch unentschlossen gewesen, doch mit der Zeit „reingewachsen“. „Mir gefällt die Vielfalt des Berufes, dass man ganz verschiedene Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen trifft“, erklärt Weisser auf die Frage, was sie denn so überzeugt habe. Neben vielen Mitgliedern der Gemeinde sei auch der Kirchengemeinderat eine große Hilfe gewesen. Sie seien sowohl Ideengeber als auch Mitberater gewesen.

Und wie erfüllt sie der Gedanke, nach einer so langen Zeit die Gemeinde Ilvesheim zu verlassen? „Manche Träne habe ich innerlich schon verdrückt, der 22. Juli wird wahrscheinlich sehr emotional“, beschreibt die Pfarrerin. Doch stehe das Datum für die Verabschiedung schon länger fest. Sie habe die Möglichkeit gehabt, sich darauf vorzubereiten und nun mit einem guten Gefühl und viel Dankbarkeit für alles der vergangenen 15 Jahre zu gehen.

Den Festgottesdienst hält sie gemeinsam mit Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller. Der Kirchenchor wird den Abschied musikalisch gestalten. Neben verschiedenen Rednern wird unter anderem Bürgermeister Andreas Metz Abschiedsworte sprechen. Der Ausklang findet im Gemeindehaus oder bei schönem Wetter auf dem Kirchenvorplatz statt.

Umzug nach Edingen

Nach der langen Zeit im Ilvesheimer Pfarrhaus verlasse sie die Gemeinde nun, um mit ihrem Mann und den beiden Töchtern nach Edingen zu ziehen. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin steht indessen noch nicht fest. Die Stelle sei aber unbefristet ausgeschrieben, sagt Lehmann–Etzelmüller. Eva Weisser plane nämlich nicht, nach der Auszeit nach Ilvesheim zurückzukehren. Bewerbungen für die Pfarrerstelle sind noch bis Mitte Juli möglich, erläutert die Dekanin.

Bis ein neuer Pfarrer gefunden ist, wird nach Lehmann–Etzelmüllers Angaben Antje Pollack, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Neckarhausen, die Stelle zur Hälfte übernehmen. Pollack wird auch den Kirchenalltag in Ilvesheim mit Hilfe vieler Gemeindemitglieder und Kollegen aus den umliegenden Kommunen organisieren.