Innenstadt / Jungbusch

Neckarstadt Surfrider organisieren Freiwilligenaktion, um die Neckarwiesen von Silvesterraketen zu befreien / Plastikteile verschmutzen Wasser und werden vermahlen

40 Säcke voller Müll am Ufer gesammelt

Mit so einem Engagement hatte an diesem Tag wohl niemand gerechnet: Trotz eisigem Wind und Nebel sind rund 60 Freiwillige dem Ruf der Surfrider Baden-Pfalz – einer gemeinnützige Organisation, die sich dem Schutz der Gewässer und Ufer verschrieben hat – gefolgt. Gemeinsam mit Helfern von Eddies Unverpackt Laden, dessen Fokus auf der Vermeidung von Verpackungsmüll liegt, und von Peer 23 e.V. – ein nichtkommerzieller Verein, der für sozial und kreativ tätige Menschen unkompliziert Arbeitsplätze, Ateliers, Werkstätten und Seminarräume bereitstellt, sammelten sie Müll und Silvesterreste auf der Neckarwiese rechts und links der Kurpfalzbrücke.

Bedenkliche Situation

Uwe Franken von der Regionalgruppe der Surfrider-Organisation ist überrascht, dass gerade bei dem Wetter so viele mithelfen wollen. „Wir hatten die Veranstaltung sehr kurzfristig anberaumt, aber mittlerweile funktioniert unser Netzwerk gut.“ Außerdem hatten viele den Hinweis im „Mannheimer Morgen“ gelesen. Franken ist der Meinung, dass das Thema Müll für die Bevölkerung immer wichtiger wird. „Die Aufmerksamkeit ist auf jeden Fall gestiegen, auch wenn noch nicht viele mit Begriffen wie Mikroplastik etwas anfangen können.“ Gerade nach Großereignissen wie Silvester sei die Situation am Neckarufer bedenklich. Die Reste des Feuerwerks werden als eine Hauptquelle für Plastikmüll angesehen, der nach Hochwasser in den Neckar gespült und von den Schiffsschrauben zermahlen später im Meer landet.

Lisa Brause und Bradatsch ziehen zu zweit von der Treppe hinter dem Sport- und Kulturpark Alter los. Die 30-jährige MTA und der 29-jährige Referendar finden immer wieder Kleinteile: weggeschmissene Zigarettenstummel, Reste von Feuerwerkskörpern, Kronkorken. „Wir wollen im Sommer auf einer sauberen Neckarwiese liegen, also machen wir mit“, sagt Felix Bradatsch. „Wer selbst an Silvester knallt, kann auch aufräumen“, fügt Lisa Brause hinzu.

Die drei Freunde Franco Bellante, Joachim Pipp und Stefanie Bencivenga sammeln schon längere Zeit den Müll an den Ufern von Neckar, Rhein und Seen in der Region. „Warum ich hier bin? Weil es einfach wichtig ist“, betont Franco Bellanteh „Das Problem kann einem nicht egal sein“, sagt der 53-jährige Veranstaltungstechniker, der selbst Feuerwerk verkauft. Wenn er nach dem Jahreswechsel den Müll auf Mannheims Straßen und am Ufer des Neckars sieht, kann er nicht verstehen, warum überhaupt noch private Raketen und Böller erlaubt sind. „Ich wäre für ein Verbot. Es sollte ein großes Feuerwerk geben und das reicht dann auch.“

Joachim Pipp kann dem nur zustimmen. „Diese Böllerei ist mittlerweile überholt“, meint der 44-jährige kaufmännische Angestellte aus Sandhofen. Auch Stefanie Bencivenga ist der Meinung, dass die Menschen unverantwortlich mit Müll umgehen. „Deswegen engagiere ich mich, das ist bestimmt nicht das letzte Mal“, beteuert die 41-jährige MTA.

Schon im vergangenen Jahr gab es im Februar so eine Aufräumaktion. „Letztes Jahr haben 25 Teilnehmer 25 Säcke voll Müll gesammelt“, berichtet Franken. In diesem Jahr wurden neben 40 großen Säcken voll Müll auch sehr viel Silvesterüberbleibseln, wie einzelne Raketen aber auch komplette Schussbatterien und das ganze Zubehör, sowie außerdem noch ein paar Großteile, wie beispielsweise ein Kinderwagen, ein Einkaufswagen und ein großer Reisekoffer auf der Neckarwiese gefunden. Mit einem Glas Glühwein, gespendet von Eduard Justus, Inhaber von Eddies Unverpackt Laden, stießen die Teilnehmer auf die erfolgreiche Aktion an.