Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Pianist Keanu Rubio am Steinway-Klavier

Angelehnt an Minimal Music

Archivartikel

„Ich möchte eine Welt erschaffen, in der alle Musikgeschmäcke ihren Platz finden, die mir gefallen“, umriss Pianist Keanu Rubio seine musikalische Herangehensweise. Deshalb können bei dem 20-Jährigen vergleichbar einfach komponierte Rock-Songs der Rolling Stones auf elaboriert gebaute Klassikstücke treffen. In der Musikbibliothek im Dalberghaus gab der Jungmusiker ein Konzert. Wegen Erkältung musste der Auftritt des ursprünglich angekündigten Blues-Gitarristen Jörg „Slur One-Man-Band“ Beer ausfallen, weshalb Pianist Keanu Rubio als Ersatzkünstler spontan einsprang.

Oben auf der Empore findet man Jazz, Welt- und Meditationsmusik, während in den unteren Regalen die Gattungen Rock, Pop, Schlager und Chanson einsortiert sind. Inmitten dieses Ambientes spielte Rubio dem Publikum seine klassisch gehaltenen Eigenkompositionen vor, bei Sekt und Orangensaft. Dabei begann Rubio, der das Bach-Gymnasium im besucht, sein berührendes Konzert mit melancholischen Klangfarben, die sich zu einem lebhaften Vortrag steigerten. Vom Musikgenuss her war das sehr bekömmlich. Zwischen den einzelnen Beiträgen herrschte gespannte erwartungsvolle Stille, so dass man sogar das leiste Knarren des Drehhockers hören konnte, auf dem sich Keanu Rubio bewegte. Denn für den wirkungsvollen Aufbau eines Spannungsbogens gehört bei einem Konzert neben der aktiven Musik auch wohldosierte Stille dazu – als dröhnende Abwesenheit von Klängen. „Ich spiele lieber auf einem Flügel, der räumliche Klang ist viel voluminöser und kräftiger, das ist unvergleichbar“, schwärmte Rubio, der ecuardorianische Wurzeln besitzt, am Rande der Veranstaltung. „Meine eigenen Stücke sind sehr minimalistisch gehalten, angelehnt an Minimal Music“, erläuterte der 20-Jährige. Einfälle für Songideen, die ihn überall wie ein Geistesblitz treffen können, hält Rubio in einem Notizbuch mit Kugelschreiber fest.

Emotionales Klangerlebnis

Neben Eigenkompositionen interpretierte er zwei Stücke des von ihm verehrten Komponisten Ludovico Einaudi, nämlich die Nummern „Oltremare“ und „Elegy For The Arctic“. Wenn sich Keanu Rubio an die Tasten setzt, lässt er häufig Pop auf Klassik treffen. Darum erinnerte eines seiner selbst geschriebenen Stücke in seinen Harmonien an die gefällige Popballade „Another Love“ von Tom Odell. Um dem Klavier schwebende Klänge zu entlocken, ließ der Abiturient die Hände über die Klaviatur gleiten. Auf diese Weise steigerte sich der virtuose Linkshänder zu einem hämmernden Anschlag, fast wie im Rausch. Ein emotionales Klangerlebnis war das. „Ich spiele oft im Speicher 7, das ist eine Bar im Hafen“, so der Pianomann. hfm