Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Fotoausstellung „One Way“ ist in der Ten Gallery noch bis Mitte Februar zu sehen / Künstlergespräch am 11. Januar

Bilder aus dem Nirgendwo

Archivartikel

Eine einsame Zapfsäule, eine verlassene Kneipe, staubige Schaufenster, schäbige Motelzimmer, karge Berge, leere Straßen, verbeulte Autos, kein Mensch zu sehen: Die Fotografien von Andrea Klein und Ralf Müller zeigen nicht das glänzende Amerika, wie man es von Bildern aus New York oder San Francisco kennt, sondern eine andere, trostlosere Seite.

„Wir wollten wissen, wie es im Inneren dieses Landes aussieht, im ganz normalen Amerika, jenseits der großen Städte“, erzählte Ralf Müller bei der Ausstellungseröffnung in der Ten Gallery. „Die meisten wollen nur die Küsten und die tollen Nationalparks besichtigen“, ergänzte Andrea Klein. „Der Rest ist vielleicht nicht so spektakulär wie Las Vegas oder der Grand Canyon, aber genauso reizvoll.“

Um diese andere Seite der USA zu erkunden, begab sich das Walldorfer Ehepaar im Frühjahr 2017 auf einen fotografischen Roadtrip durch die sogenannten „Fly-over-States“, die so heißen, weil man sie normalerweise überfliegt. In drei Wochen legte das Künstlerpaar circa 8500 Kilometer zurück und durchquerte dabei acht US-Bundesstaaten, von Illinois über Kansas, Colorado, Wyoming und Iowa. Dabei fuhren sie nicht auf Highways, sondern nur auf Landstraßen und Schotterpisten. „Wir saßen ganz schön lange im Auto“, gab Andrea Klein zu.

Und dann kam Trump

„Das erste Wort, das mir zu diesen Fotografien einfällt, ist Zeit“, sagte die Ausstellungsorganisatorin Deborah Musso bei der Vernissage. „Man hat das Gefühl, dass die Zeit auf den Bildern stehengeblieben ist, man wartet darauf, dass etwas passiert – dass ein Auto vorbeikommt und an der verlassenen Zapfsäule tankt, dass die Kneipe öffnet und ein Farmer dort sein Bier trinkt. Auch die Menschen, die dort leben, warten darauf, dass etwas mit ihrem Land passiert.“

Das Ehepaar mit dem Künstlernamen „greytoneduo“ wollte bei seiner Reise nicht nur fotografieren, sondern auch erforschen, wie es der Bevölkerung in diesen ländlichen Regionen der USA geht. Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, trieb die beiden die Neugier an, zu sehen, wo die Trump-Wähler wohnten und warum sie den jetzigen Präsidenten gewählt hatten. „Die Menschen in diesen Regionen hatten in den letzten Jahren keinen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der USA, und dann kam Trump und machte ihnen Hoffnungen auf Jobs im Kohlebau“, sagte Ralf Müller. „Wir konnten also durchaus verstehen, warum sie für ihn gestimmt hatten.“ Andrea Klein hält es für wichtig, die Trump-Wähler nicht pauschal zu verurteilen, wie es häufig geschehe, sondern genau hinzuschauen, wie es ihnen gehe. „In diesen kleinen Ortschaften mitten im Nichts ist die Situation ähnlich wie bei uns im Osten Deutschlands“, meinte sie, „viele Menschen fühlen sich einfach allein gelassen.“ In den Fotografien in der Ten Gallery wird das deutlich spürbar: Die Bilder zeigen öde, ausgestorbene Orte, an denen es kaum eine Perspektive zu geben scheint.

Die Fotoausstellung mit dem Titel „One Way“ ist noch bis zum 15. Februar in der Ten Gallery in den Quadraten zu sehen. Begleitend gibt es ein Rahmenprogramm mit unterschiedlichen Veranstaltungen – am Freitag, 11. Januar, stehen die beiden Fotografen etwa zum Künstlergespräch zur Diskussion bereit. Wer ein Geschenk sucht: Ralf Müller kündigte an, der Erlös aus dem Verkauf der Bilder werde in der Galerie bleiben. „Wir wollen damit einem Nachwuchsfotografen die Möglichkeit geben, in der Ten Gallery auszustellen.“