Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Quartierforum beschäftigt sich mit dem neu eröffneten Karree Mannheim

Breiter Straße fehlt ein stilles Örtchen

Die Aussichten für einen Erfolg des kürzlich teileröffneten Karree Mannheim in K1 sind gut. Das ist zumindest die Einschätzung von dessen Geschäftsführer Ömer Nohut und von Jutta Weyl von der Wirtschaftsförderung Mannheim. Bei der letzten Sitzung des Quartierforums Unterstadt unter der Leitung von Quartiermanagerin Esther Baumgärtner in K1, gab es von den rund 20 Teilnehmern viel Lob für das Vorzeigeprojekt im ehemaligen Mömax-Gebäude.

Doch da ist noch ein Problem. Und das stinkt den Anrainern im wahrsten Sinn des Wortes. Denn es fehlt an einer öffentlichen Toilette am unteren Ende der Breiten Straße. Die Abendakademie hat ihre Pforten für derlei Bedürfnisse geschlossen. Der Grund sind Benutzer der WCs, darunter Drogenabhängige, die in den stillen Örtchen wie die sprichwörtlichen Vandalen hausten und aller Arten von Schmutz hinterließen. „Im letzten Jahr haben sie sogar eine Toilette im sechsten Stock abgefackelt“, klagte Susanne Deß, Leiterin der Abendakademie. Das quasi Sperren eines offenen Hauses jetzt, schränke die Benutzerfreiheit aller ein, bedauerte sie. In den vergangenen Jahren waren aufgrund nichtvorhandener öffentlichen Toiletten, verstärkt die WCs in der Abendakademie genutzt worden. „Wegen der genannten Probleme können wir den Leuten unsere Toiletten aber nicht mehr zur Verfügung stellen. Das ist mit Konflikten verbunden. Es fehlt hier einfach eine öffentliche Anlage“, forderte Deß eine Lösung.

Die könnte laut Detlef Möller in der Einrichtung einer für die Benutzer kostenfreien sanitären Anlage durch die Stadt liegen. Er habe so eine im Zentrum von Graz gesehen. „Dort kann jeder hinein, man ist geschützt, sie wird sauber gemacht, man achtet darauf, dass keine Drogenabhängigen mit Spritzen hantieren. Die Kosten dafür trägt die Stadt. Und es funktioniert“, so Möller.

Hoffen auf den Konsumraum

Klagen gab es auch von zwei weiteren Anwohnerinnen, die bemängelten, dass sich Drogenabhängige immer wieder öffentlich in der Nähe des Herschelplatzes Spritzen setzten und auch dort auf einem Privatparkplatz ihre Notdurft verrichteten. „Das ist sehr unangenehm, wenn Kinder, die vorbeilaufen, es sehen“, erklärten sie unisono.

Man könne nur auf einen Drogenkonsumraum hoffen, allein ein Angebot für Alkoholkranke, reiche nicht aus, befand Susanne Deß. Von der Etablierung des vom Gemeinderat beschlossenen Trinker-Treffs höre und sehe man nichts, stellte Wolfgang Ockert, Vorsitzender des Bürger- und Gewerbevereins Östliche Innenstadt (BGV) fest. „Hierzu sollte uns jemand von der Stadt berichten“, wünschte er. Zu einem möglichen Drogenkonsumraum könne dies sicherlich Bernd Bung vom Drogenverein tun. Es gebe ja Überlegungen des Drogenvereins, eine solche Stelle bei sich anzusiedeln. „Aber es ist die Frage, ob er geplant wird und wann er kommt“, zweifelte Ockert.

Bernd Bung, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anwesend war, hatte bereits Ömer Nohut angeboten, bei Problemen mit Alkohol- und Drogenabhängigen frühzeitig gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Nohut zog derweil eine erste positive Bilanz des teileröffneten Gebäudes. Der Discounter Aldi, der Drogeriemarkt Rossmann, das Fitnessstudio John Reed, der Juwelier Atasay und nicht zuletzt das Espresso Lab kämen bei den Leuten sehr gut an. „Die Mieter und wir als Vermieter und Entwickler sind zufrieden. Ich denke, dass die Straße bereichert worden ist“, sagte Nohut. Einen weiteren Schub erhofft er sich vom Restaurant Huqqabaz. Das Lokal mit 350 Plätzen und einer im kommenden Jahr in der Fabrikstraße vorgesehenen Außenterrasse mit 96 Plätzen, wolle Mitte Oktober eröffnen. Am 30. November gibt es die ersten Vorstellungen im Cinema Quadrat, wie Geschäftsführerin Sabine Fischer bestätigte. „Das ist hier eine gute Entwicklung“, freute sich Jutta Weyl über den Fortgang in der Breiten Straße, dem Sorgenkind der letzten Jahre.