Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Künstler setzen Zeichen für Willkommenskultur am Schillerplatz

Bunte Vielfalt gegen rechts

Die Statue des großen Dichters am Schillerplatz hält eine Friedensfahne in der Hand, auf der Wiese davor sitzen Menschen auf Picknickdecken, Passanten bleiben stehen, Anwohner schauen neugierig aus den Fenstern. Was hier stattfindet, ist ein Fest der Künstlervereinigung „Bunte Vielfalt gegen völkische Einfalt“.

Der Einzug der AfD in den Bundestag, die zunehmende Beliebtheit nationalistischer Parteien in Europa, Diskussionen über die Abweisung von Flüchtlingen an der Grenze und die Seenotrettung im Mittelmeer – das sind Themen, die die Künstler auf dem Schillerplatz bewegen. Als „Initiative gegen den Rechtsruck“ betrachten sie sich, erklärt Moderatorin Monika Margret-Steger und betont: „Kunst entsteht durch Austausch, nicht durch Abschottung.“

So bunt wie die Gesellschaft, die sie sich wünschen, ist auch das Programm – von Musik über Kabarett und Zaubertricks bis hin zu politischen Beiträgen. Die Band Monimates singt „Kill all the white men“, um die Unterdrückung der Dritten Welt anzuprangern, und die Sängerin Joana beschwört mit ihrem Lied „Drunne in de Quadrate“ die düstere Atmosphäre eines Nazi-Aufmarschs in Mannheim herauf. Besondere Begeisterung erweckt der 13-jährige Ali Insan: Begleitet von seinem Vater singt der Schüler des Karl-Friedrich-Gymnasiums türkische und kurdische Lieder und spielt dazu orientalische Melodien auf der Geige. Auf humorvolle Weise setzen sich die Kabarettisten Frederic Hormuth und Einhart Klucke mit aktuellen politischen Themen auseinander. „Haben die Nazis überhaupt ein Bleiberecht?“, fragt Klucke. „Oder gehen sie irgendwann zurück in ein sicheres Herkunftsland, zum Beispiel nach Österreich?“

Gedichte rezitiert

Manche Künstler schlagen aber auch einen ernsthafteren Ton an. Passend zum Schauplatz der Veranstaltung rezitiert die Schauspielerin Bettina Franke Gedichte von Friedrich Schiller, in denen die Freiheit des Menschen im Mittelpunkt steht. „Menschenrechte und Menschenwürde dürfen nicht im Fleischwolf des Rechtspopulismus untergehen“, fordert sie. Besonders bewegend ist ein Bericht von Natice Orhan-Daibel, die 2015 die Bahnhofshelfer Mannheim mitgegründet hat, um Flüchtlinge bei ihrer Ankunft zu unterstützen. „Eines Morgens bin ich kurz entschlossen zum Bahnhof gegangen, um zu sehen, ob ich helfen kann“, erzählt sie. Die Erfahrungen am Hauptbahnhof haben ihr Leben verändert. Sie berichtet von bleibenden Eindrücken – ein Mann, der sein weinendes Kind nicht beruhigen kann, eine Frau, die zusammenbricht, nur weil die Helfer ihr einen Tee anbieten. „Ich hoffe, ihr seid gut angekommen, und ich hoffe, es werden noch mehr ankommen“, beendet sie ihre Erzählung.

Geflüchtete selbst ergreifen nicht das Wort, und auch Diskussionen mit Vertretern abweichender politischer Meinungen finden nicht statt. Dennoch setzen die Künstler schon zum zweiten Mal ein Zeichen gegen Fremdenhass, nachdem vor einem Jahr bereits eine erste Veranstaltung auf dem Schillerplatz stattgefunden hatte. „Uns ist es wichtig, unsere Botschaften in die Stadt zu tragen, mitten auf einem öffentlichen Platz“, betont Bernd Köhler, einer der Organisatoren. Entsprechend will sich die Initiative „Bunte Vielfalt statt völkischer Einfalt“ nächstes Jahr wieder auf dem Schillerplatz versammeln, um für Offenheit gegenüber Fremden einzutreten. hil