Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Illustratorin Anke Faust lädt zum Kreativ-Workshop

Collagen brauchen mutige Entscheidungen

Schafe im Strickpullover, Baumstämme aus Brotrinde – in der kreativen Welt der Illustratorin Anke Faust bekommen Oberflächen und Strukturen einen neuen Zusammenhang. Die Künstlerin arbeitet mit der Collagentechnik: Ihre Bilder bestehen aus Papierschnipseln – je nach Motiv sind es manchmal Hunderte auf einer einzigen Seite. Im Rahmen der Ausstellung „Zeichenwerk“ in der Stadtbibliothek, die die Arbeiten regionaler Illustratoren präsentiert, stellte Anke Faust ihre Arbeitstechnik vor und lud in einem Workshop dazu ein, selbst kreativ zu werden.

Für die Teilnehmerrunde hat die Künstlerin zwei Arbeiten mitgebracht: Die Titelbilder der Kinderbücher „Der tätowierte Hund“ von Paul Maar und „Ein Schaf fürs Leben“ von Maritgen Matter, anhand derer sie ihre aufwendige Collagentechnik erläutert: Zuerst wird die Skizze mit Pinsel und Tusche auf eine Trickfilmfolie übertragen. Anschließend werden die Papierschnipsel entsprechend zurechtgeschnitten und von hinten an die Folie geklebt, die ganze Folie wird dann auf dem Hintergrund fixiert.

Aus alten Zeitschriften

Der Clou: Die Schnipsel schneidet die Illustratorin aus alten Zeitschriften aus. „Da kann man Muster nehmen, die dem entsprechen, was man darstellen will. Also Blätter für eine Baumkrone zum Beispiel. Aber man kann auch damit spielen oder bewusst Kontraste setzen?“ Im Bilderbuch „Ein Schaf fürs Leben“ trägt das Schaf deshalb einen wollweißen Strickpullover. Für das Fell des tätowierten Hundes hat sich Anke Faust für ein Deckengemälde entschieden. Und wer genau hinschaut, erkennt im Stamm einer Palme die Oberflächenstruktur von – Brotkruste. „Ich mag, wenn man beim zweiten Hinsehen entdeckt, dass das eigentlich etwas ganz anderes ist“, so die Künstlerin. Im Workshop arbeiten die Teilnehmer mit einer vereinfachten Technik, doch das Prinzip ist dasselbe. „Die erste Hürde ist: mutig sein. Arbeiten Sie nur mit der Schere, ohne vorzuzeichnen.“ Kurz darauf blättern die Bastelwilligen auch schon eifrig die Zeitschriften durch, auf der Suche nach einem hübschen Mustern. Nach und nach entstehen kleine Kunstwerke: eine Rakete, schillernde Fische oder auch bunte Schriftzüge. Lutz Dieffenbach ist einer der Illustratoren, die in der Stadtbibliothek ausstellen. Normalerweise arbeitet er mit einem Computerprogramm, aber er kann sich gut vorstellen, mal die Collagentechnik anzuwenden: „Ich mag auch das Handgemachte sehr“, sagt er und deutet auf eine Pappfigur in der Ausstellung, die er angefertigt hat.

Auch Simone Toth bastelt eigentlich gern. Der Workshop hat sie dazu angeregt, wieder mehr Zeit für Kreatives einzuplanen. kako