Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Peter Kurz diskutiert über städtebauliche Möglichkeiten mit spanischem Bürgermeister Alegre Calero aus Barcelona aus

Das kann Mannheim von anderen lernen

Archivartikel

Mannheim.Auf den ersten Blick haben die Städte Barcelona und Mannheim nicht allzu viel gemeinsam. Während die katalanische Hauptstadt am Meer liegt, ist die Kurpfalzmetropole nicht zuletzt für Wirtschaft und Industrie bekannt. Doch wagt man einen tieferen Blick, so tun sich manche Parallelen auf. Beide Städte haben Quadrate und eine Universität. Bei der bilingualen Podiumsdebatte „Barcelona trifft Mannheim“ hat die spanische Stadt Vorbildfunktion mit Anregungen für eine grünere Innenstadt eingenommen; mit der Frage, ob dieses Modell auch in der deutschen Quadratestadt eine Zukunft hätte.

Sergi Alegre Calero, Vize-Bürgermeister von El Prat der Metropolregion Barcelona, diskutierte mit Oberbürgermeister Peter Kurz sowie mit Ernst-Ludwig von Thadden, Rektor der Universität Mannheim, und Angela Kräft vom Bürgerverein Innenstadt-West. Rosa Omencaca Prado moderierte die Runde im Florian-Waldeck-Saal im Zeughaus.

Calero eröffnete den Abend mit einem Vortrag: Er zeigte, wie stark sich Barcelonas Innenstadt in den vergangenen Jahren gewandelt hat, bei dem Versuch, die City grüner zu gestalten. „Die Idee des Projekts war, die Stadt mit Leben zu füllen“, sagte Calero. Dabei gab es zahlreiche Herausforderungen. „Die Menschen bewegen sich zu wenig“, klagte er. Gleichzeitig gebe es zu viel Verkehr, was wiederum zu Unfällen, aber auch zu hohem Lärmpegel und CO2-Werten führe. „3500 Menschen sterben dadurch jährlich eines frühzeitigen Todes.“ Außerdem gebe es in Barcelona zu wenig Grünflächen: 1,82 Quadratmeter pro Person. Um mehr Grünflächen gestalten zu können, müsse man entweder die Flächen außerhalb der Innenstadt legen oder Gebäude einreißen – beides seien keine wirklichen Alternativen. Aus diesem Grund habe man beschlossen, die Straßen schrittweise umzufunktionieren, etwa indem Autos bestimmte Straßen nicht mehr passieren dürfen. Wo einst Fahrzeuge parkten, gebe es inzwischen Bänke und Blumenkübeln, mit etwas Farbe und Straßenschildern entstünden Spielstraßen.

Lebensqualität im Fokus

„Es geht vor allem um den Funktionswandel, nicht nur um Strukturwandel“, betonte Calero. Auch die Bürger würden bei den Entscheidungen miteinbezogen, wer an Hauptstraßen wohnt, solle entschädigt werden. „Sonst ist es ungerecht“, sagte er. Calero baue auch auf E-Autos, die in Zukunft weniger Lärm und weniger Emissionen bedeuten.

Kurz betont, dass Calero mit seiner Bemerkung, dass man gute Ideen in anderen Städten nicht einfach 1:1 umsetzen könne. „Grundsätzlich ist es wichtig, dass Städte voneinander lernen.“ Man wolle den internationalen Dialog als Austausch an die Öffentlichkeit bringen. Er ist dankbar, dass die Heinrich-Böll-Stiftung die Diskussion initiiert hat. „Wir müssen eine Lösung für uns finden und gleichzeitig Impulse dafür haben, was möglich ist.“ Etwa auch durch Ansätze aus Barcelona. „Hut ab für Barcelona, dass es auch umsetzbar ist“, sagte er. „Es geht um die Lebensqualität in der Stadt.“ Gleichzeitig aber auch um Klimaschutz und das lokale Klima.

33 000 Menschen in der Innenstadt

Mannheims Universitätsdirektor von Thadden überlegt, wie man die Stadt für Studenten attraktiver machen könnte. „Es geht nicht nur darum, Verkehr umzuleiten“, sagte er. Sondern auch darum, Lebensraum zu gewinnen, wie Kurz bereits erklärt hatte. Daher müssten sich alle mit dem Thema Fortbewegung und Kommunikation in öffentlichen Räumen befassen. „Wie bekommt man den gesamten Raum besser organisiert?“ war eine zentrale Frage von Ernst-Ludwig von Thadden an diesem Abend.

Mehr als 33 000 Menschen würden in der Innenstadt wohnen, sagte Angela Kräft vom Bürgerverein Innenstadt-West. Mit Fotos bewies sie, wie schmal die Fußgängerwege durch auf dem Bürgersteig geparkte Autos würden. Weiter präsentierten Kinder und Jugendliche, wie sie sich die Stadt mit Grünflächen vorstellten. Kurz versprach, mit diesen Ideen zu arbeiten – etwa im Bereich Bewegungsräume. Man habe sich außerdem bereits Anregungen aus Kopenhagen geholt. Die Verwaltung wolle auch schrittweise gegen Autofahrer vorgehen, die auf den Bordsteinen parken.