Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Frauen feiern in Ökumenischen Bildungszentrum sanctclara 100 Jahre Frauenwahlrecht

Der Weg zur Gleichstellung

Unter dem Motto „Gut gewählt!“ feierten rund 30 Frauen im Ökumenischen Bildungszentrum sanctclara 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. Durch das Programm führten Susanne Henke, Referentin für Frauenpastoral, und Petra Heilig, Leitungsteam sanctclara.

Mit „The march of the women“, dem Lied der Ethel Smith (1858-1944), mit dem seit 1910 englische Frauen für ihre Rechte kämpften, begann die Wahlparty unter der Schirmherrschaft von Zahra Deilami, Leiterin Amt der Gleichstellungsbeauftragten, Stadt Mannheim. Ein kurzweiliger Abend, bei dem die Gäste Interessantes erfuhren, lecker aßen, miteinander ins Gespräch kamen, sangen und tanzten.

Anfang in Finnland

„Es geht um das Recht der Frauen, sich politisch zu beteiligen und zu wählen“, so Heil. Dies sei heute in allen EU Ländern verankert. „Doch es ging ein langer Kampf voraus, mit politischer Verfolgung von Frauen, mit Demonstrationen und Hungerstreiks, manche Frauen hätten das sogar mit dem Leben bezahlt. Als erstes europäisches Land gab es in Finnland 1906 das Frauenwahlrecht – in der Schweiz erst 2004. Im Vatikanstaat bis heute nicht. „Wir feiern trotzdem, denn das war ein wichtiger Weg zur Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft“, sagte Henke.

Der Stimme der Frau mehr Raum geben, gelang Sängerin und Musikpädagogin Nathalie Seelig nach einem „warm up“ mit verschiedenen Stimmübungen. Doch dass das Selbstbewusstsein einer Frau von ihrer Stimmhöhe abhängen soll, das stimme nicht, erklärte Schirmfrau Deilami. Sie bedauerte, dass Gender im Sinne von sozialer Gleichstellung der Geschlechter in der aktuellen Vielfaltdebatte zu kurz komme. „Die Sichtbarkeit von Lespen leidet sehr in Mannheim, im Gegensatz zu Schwulen“, sagte sie.

„Wichtig“, so die Gleichstellungsbeauftragte, „ist die Selbstwirksamkeit der Frau – das ist die psychische Fähigkeit aus gelebter Erfahrung, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen und eine politische Antwort geben zu können.“ Deilami forderte die Frauen auf, wählen zu gehen, und zwar Frauen oder politische Parteien, die die Position der Frau stärken. Vor allem aber sollten sich die Frauen „nicht instrumentalisieren lassen von rechter Politik“.

Nach einer Stärkung am Fingerfood-Buffet von Fouzia Hammoud, Catering-Unternehmerin und Vertreterin im Migrationsbeirat, tauschten sich die Frauen in drei „Speakers Corners“ aus zu den Themen „Selbstwirksamkeit und Instrumentalisierung von Frauenrechten“, „Verbot von Frauenstimmen“ sowie „Migrationsbeirat, was kann Frau mit entscheiden“.

In historischen Kostümen stellten Susanne Henke und Petra Heilig zwei herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Frauenbewegung vor: Luise Otto-Peters (1819-1895) und Marie Juchacz (1879-1955), Gründerin und erste Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Daraus ergab sich ein Ratespiel mit Sprüchen von starken Frauen, bei dem es auch Preise zu gewinnen gab. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Brot und Rosen“ endete der offizielle Teil. Anschließend lud DJane Kathleen Napoli die Frauen zum Tanzen ein.