Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Dokumentation der Theateraufführung „Feuerbrand“ sorgt für Diskussionen um die Rolle des Stadtteils

„Diesen Ort der Vielfalt erhalten“

Im Juli des vergangenen Jahres hat die Theateraufführung „Feuerbrand“ im Jungbusch Premiere gefeiert: Das von Lisa Massetti inszenierte Stück, eine Eigenproduktion der Jugendkulturwerkstatt Creative Factory im Gemeinschaftszentrum Jungbusch, ist angelehnt an Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ und führte Darsteller wie Zuschauer an verschiedene Schauplätze im Stadtteil. Im Cinema Quadrat wurde jetzt die filmische Dokumentation dieses Stationen-Theaters präsentiert, die von Filmemacher Mario Di Carlo erstellt wurde.

Für beide Regisseure gab es viel Lob vom Publikum. Auf die Frage, wie es zum Film kam, erzählte Di Carlo, dass er seit fast 20 Jahren die Entwicklung des Jungbuschs dokumentiere. Vor zehn Jahren habe er dann damit begonnen, auch die von Massetti inszenierten Stücke zu filmen. Ihm gehe es darum, sie aus dem Stadtteil raus zu transportieren, um sie einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Heutige Version von Schiller

Lisa Massetti greift in ihrem Stück Themen auf, die nicht nur den Jungbusch betreffen. „Es geht um Ungerechtigkeit und Ungleichheit“, erklärte die Regisseurin. „Feuerbrand“ thematisiert anhand des klassischen Stoffes die einsetzende Gentrifizierung (Veränderungsprozesse in Stadtteilen) des Jungbusch und macht den Wandel auf dem Immobilienmarkt, Profitorientierung und damit verbundene soziale Ungerechtigkeiten zum Thema. Schillers Geschichte um Liebe, Intrigen, große Gefühle und den Konflikt der Stände wird ins Mannheim von heute verlegt, in ein Viertel, das sich vom sozialen Brennpunkt zum hippen Ausgehquartier entwickelt. „Wir wollen die Leute sensibilisieren“, sagte Tugba Ibis – Hauptdarstellerin Meryam im Theaterstück. „Die lebendige Vielfalt im Stadtteil geht verloren. Der Jungbusch ist für viele ein cooler Ort geworden und die Barbesucher lassen die Sau raus“, ärgert sie sich. Es regt sie auf, wenn Investoren sich auf Kosten der Bewohner profilieren. „Man denkt nicht an die Leute, die dort 30, 40 Jahre wohnen, die sind nicht mehr wichtig“, zieht Ibis ein bitteres Resümee.

Hoffnung machte Quartiermanager Michael Scheuermann: Zwar könne man die Macht des Geldes nicht aufhalten. Doch er habe etwas mit der Stadtspitze ausgehandelt: „Der Jungbusch muss als Ort der Vielfalt erhalten bleiben.“ Es gebe zwar kein verbrieftes Recht in Deutschland, an einem Ort zu wohnen, aber das Recht und die Pflicht, sich für den sozialen Zusammenhalt einzusetzen – das sei auch, was sie motiviere. Er habe mit Oberbürgermeister Peter Kurz vereinbart, dass es für den Jungbusch eine Vereinbarung geben muss – für Vielfalt, Solidarität und Miteinander.

Sie wollten auf Hauseigentümer, Gastronomen zugehen, um zu klären, was der Jungbusch braucht, was seine Vielfalt erhält, so Scheuermann. Der Quartiermanager will eine Monitoring-Gruppe zusammenstellen, will Politik und Verwaltung darauf hinweisen, was getan werden muss. „Die Stadt hat uns ermächtigt und ermutigt, dazu beizutragen, die Lebendigkeit des Stadtteils zu erhalten, aber man braucht auch Unterstützung von oben“, betonte Scheuermann.