Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Trio Get Organized eröffnet neue Saison der Reihe „Jazz im Busch“ im Laboratorio 17

Endlich wieder Chef einer Band

Archivartikel

Mit den Fingern der rechten Hand strich Organist Robert Schippers, ein junges Nachwuchstalent, von der hell tönenden obersten Taste hinunter bis zur brummenden letzten Taste. Bandchef Christian Lassen an der E-Gitarre tupfte ausgewählte Saitenklänge in die Luft. In diesem Trio treffen verschiedene Generationen aufeinander: Mit einem gut besuchten Konzert der seit Frühjahr bestehenden Band Get Organized läutete Veranstalter Steffen Rosskopf die neue Saison seiner Reihe „Jazz im Busch“ ein.

„Ich bin schon lange unterwegs als Musiker, habe aber schon lange keine eigene Band mehr gehabt“, erklärte Gitarrist Christian Lassen dem lauschenden Publikum. Nachdem das Dreigespann mit dem Song „Birks’ Works“ von Dizzy Gillespie eröffnete hatte, unternahm die Combo in Bezug auf die Nummer „Midnight Cowboy“ eine Reise in die Welt der filmischen Begleitmusik. Und die Zuhörer reisten mit.

„Klingt fantastisch“

Im Jahre 1969 war ein einst amerikanischer Spielfilm gleichen Namens erschienen, eine Romanverfilmung mit Schauspieler Dustin Hoffman in der Hauptrolle. „Die Filmmusik dazu hat John Barry geschrieben, der auch die Musik für die James-Bond-Filme schrieb“, erläuterte Christian Lassen, ein wahrer Könner an den sechs Saiten, der später seine halbakustische Klampfe weglegte, um sich eine Fender Telecaster umzuhängen. Außerdem interpretierte die Jazz-Band das Stück „French Spice“ von Donald Byrd, das von Gewürzen inspiriert ist.

Immer wieder quietschen und jaulen ließ Tastenmann Robert Schippers seine zweimanualige E-Orgel, ein seltenes Gerät der unter Musikern begehrten Marke „Uhl“ des schwäbischen Instrumentenbauers Wolfgang Uhl.

Auf der Schaufensterbühne im Laboratorio17 bespielte der 22-Jährige seine elektrische Uhl-Orgel ohne Schuhe nur mit Socken bekleidet. „Diese Uhl-Orgeln werden nicht mehr gebaut, mein Instrument ist digital und komplett computergestützt, klingt aber fantastisch“, begeisterte sich Organist Robert Schippers, der ursprünglich aus Aachen stammt und seit 2014 an der Mannheimer Musikhochschule studiert, in der Pause.

Währenddessen ließ Veranstalter Steffen Rosskopf seine alte weiße Bratpfanne unter den Besuchern umhergehen, um Spenden für das Jazz-Trio zu sammeln. „Dass ich mit den Füßen spielen kann, das ist mir wichtig, ohne Pedale fühle ich mich, als würde mir ein Körperteil fehlen“, schmunzelte Organist Robert Schippers, der einen blonden Rauschebart trägt. Zu seinen künstlerischen Vorbildern gehören die experimentellen Orgelspieler Dr. Lonnie Smith („Mein großes Idol“) und Johannes Motschmann.

Scheppernde Soli

Zurück auf der Bühne durfte sich Schlagzeuger Tobias Frohnhöfer, der ein Preisträger der Leverkusener Jazztage ist, in mehreren scheppernden Soli entfalten. „Eins von den unbekannten Stücken von Stevie Wonder“, moderierte Gitarrist Christian Lassen bezogen auf den Song „Big Brother“.

Hinterher stimmte das Trio eine Eigenkomposition von Bandmitglied Robert Schippers an, eine Hommage an dessen ehemalige Wohngemeinschaft mit dem Titel „Blue & Green Room“. Darüber hinaus spielte das Dreigespann die Bürgerrechtshymne „I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free“ von Nina Simone, „It Ain’t Necessarily So“ von George Gershwin, „Slow Hot Wind“ von Henry Mancini und das selten live zu hörende „Tin Tin Deo“ von Dizzy Gillespie.