Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Theater-AG der Friedrich-List-Schule bringt Brecht-Stück auf die Bühne

Ernst und komisch zugleich

Es herrscht Krieg in Grusinien, die Witwe des Gouverneurs flieht überstürzt und lässt dabei ihren neugeborenen Sohn Michel zurück. Die einfache Magd Grusche hat Mitleid und nimmt sich des Kindes an. Hier beginnt die Heldenreise der Magd, sehr feinfühlig dargestellt von Aysegül Akkaya. Der Kaukasische Kreidekreis, den Bertolt Brecht in den Jahren 1944 und 45 in den USA schrieb und der erst im Jahre 1954 in deutscher Sprache aufgeführt wurde, hatte seinen Weg zur Layertruppe gefunden. Die Theater-AG der Friedrich-List-Schule unter der Regie von Eva Layer gibt es bereits seit 1982, dies war das 25. Stück.

Grusche und ihr Verlobter Simon (David Bresson) sind die einzigen Figuren der Inszenierung, die natürlich dargestellt werden, alle anderen sind überzeichnet und dadurch oft zum Schreien komisch. Die Grimassen von Aydan Mugan, die den Panzerreiter spielt, der den „Holzkopf“ drangsaliert, vergisst man nicht so schnell. Fatih Peker, der in der Anfangsszene den kugelrund ausgestopften Fürsten Kazbeki und am Ende auf geniale Weise den Richter (oder war er doch nur ein Lump?) Azdak darstellt, bleibt auch im Gedächtnis. Schön dekadent und laut kommt Hilâl Köksal als Gouverneursfrau Natella rüber. „Die Überzeichnung dient dazu, die Komik herauszuarbeiten.

Anspielung an Trump und Co.

„Das Stück soll ernst und komisch gleichzeitig sein, es soll die Leute berühren und auch zum Lachen bringen“, sagte Eva Layer nach der Aufführung. Die Überzeichnung dient auch als Anspielung: „All die Trumps, Johnsons und Assads haben unglaubliche zerstörerische Kräfte. Es ist ihnen völlig egal, was sie anrichten. Sie benehmen sich lächerlich, eigentlich kann man sie nicht ernst nehmen, aber sie haben so viel Macht. Das sind für mich die Parallelen zu den Figuren in unserem Stück.“

Und zwischen den lauten Gestalten bildet das Schicksal von Grusche und dem Baby einen starken Kontrast. Für Eva Layer steht Grusche für die Menschlichkeit: „Ich sehe Parallelen zu der Frage, ob man ertrinkende Menschen aus dem Wasser fischen oder sie untergehen lassen soll. Ihr Verhalten hält uns die Unmenschlichkeit der westlichen Welt vor Augen, wenn wir eine Kapitänin, die genau das getan hat, was Grusche tut, vor Gericht stellen.“

Die Proben dauerten über ein Jahr, als Figurenarbeit zwischendurch gab es für die Truppe das Thema „Die sieben Todsünden“, um Überzeichnungen zu üben. Originell war das Bühnenbild, das einem Würfel-Puzzle glich. So ließ sich aus den Würfeln wahlweise ein Gouverneurspalast oder ein Richterstuhl nachbilden. Schlussszene ist eine bekannte Legende: Die Frau, die das Kind aus dem Kreidekreis ziehen kann, soll es bekommen, doch am Ende darf Grusche Michel behalten, gerade weil sie nicht an ihm zieht und ihm damit Gewalt antut.