Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch „Motzkiste“ nimmt wieder Fahrt auf – Slam-Wettbewerb von Kulturparkett Rhein-Neckar bei zeitraumexit

Es lohnt sich, einfach mal drauf loszuschimpfen

Meckern macht schlechte Laune und führt zu nichts? Im Gegenteil – 90 Minuten purer Spaß: Acht Slammer brachten die Zuschauer beim Slam-Wettbewerb „Motzkiste“ im Theatersaal von zeitraumexit zum Ausrasten. Der amüsante Abend mit musikalischem Ausklang mit DJane Heidi van de Alm fand im Rahmen des „Kultival“ statt, das Kulturparkett Rhein Neckar bei zeitraumexit veranstaltete.

Ein halbes Jahr lang organisierte zeitraumexit als Experiment des künstlerischen Leiters, Philipp Possmann, keine eigenen Veranstaltungen, sondern das Künstlerhaus bot Kulturinitiativen seine Räume als Bühne. Wer den Ort nutzen durfte, entschied ein Publikum. Als letztes in den Genuss kam das Kulturparkett, das eigentlich Kulturvermittler ist. In Zusammenarbeit mit zeitraumexit bot man mehrere Veranstaltungen an. Die Motzkiste war ein Höhepunkt.

Abrechnung in drei Minuten

Die Idee dazu hatten Dramaturgin und Regisseurin Angela Wendt und Anne-Marie Geisthardt. Schon immer sei es ihr Wunsch gewesen, die „Motzkiste“, die sie im ehemaligen Kulturcafé Cafca im Jungbusch ins Leben gerufen hatte, wieder aufleben zu lassen, sagte Moderatorin Wendt. Gemotzt werden durfte über fast alles. Nur rassistische oder beleidigende Vorträge hatten keine Chance. Gemotzt wurde in zwei Runden über je dreieinhalb Minuten. Acht Slammer traten gegeneinander an und buhlten um die Zustimmung des Publikums. Die Lautstärke des Klatschens entschied über das Weiterkommen der Konkurrenten, das Publikum fungierte somit als Jury.

Konzept begeisterte

Poetry-Anfänger und Teilnehmer aus Mannheim und Umgebung erfreuten die Zuschauer mit ihren persönlichen und zum Teil auch erschreckenden Texten. Die Darstellungsformen und die Thematik unterschieden sich dabei sehr stark in den einzelnen Beiträgen. Einige Slammer trugen ihre Texte mit theatralischer Gestik vor – wie Wilhelm Sauter, der über Smartphones und SUVs abmotzte. Jürgen brachte das Publikum mit vermeintlich sinnvollen Maßnahmen des Jobcenters zum Lachen, während Thorolf Hartz IV kritisch betrachtete und Marlon mit Hintergrundwissen zum Behördenalltag amüsierte.

Es kamen auch gesellschaftskritische Elemente in den Werken vor, so wurde die Ignoranz der heutigen Gesellschaft durch Cato thematisiert, während Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier beschrieb, wie er über die vielen Hindernisse im innerstädtischen Raum stolperte. Am Ende siegten die Schwestern Anna und Marie Brilla (17 und 15 Jahre) mit der umwerfend komischen Schilderung ihres Schulalltages. Der Beifall zeigte, dass das Konzept auf große Begeisterung traf. Nicht zuletzt wegen der verschiedenen Darbietungsformen, die es jedem Zuschauer ermöglichte, sich für die Beiträge der Slammer zu erwärmen. So verbrachten die Zuschauer, geleitet von der charmanten Moderatorin, einen sehr schönen inspirierenden Abend.