Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Samba der brasilianischen Hinterhöfe wird auf dem Vorplatz der Trinitatiskirche gut angenommen

Essen, trinken, musizieren

Archivartikel

O Tico-Tico tá tá outra vez aqui – der 1917 von Zequinha de Abreu komponierte Chorosong ist einer der temperamentvollen, lateinamerikanischen Rhythmen, die das Publikum am späten Nachmittag in eine brasilianische Hinterhofatmosphäre mitnimmt. Das Mannheimer Kollektiv Grupo De Encontro zelebriert das für Brasilien typische Roda de Samba.

Lebensfreude transportiert

„In Brasilien ist das eine Runde aus Musikern, die zusammen an einem Tisch sitzen, gemeinsam essen und trinken und anschließend musizieren“ erklärt der Bandleader Jonas Herpichböhm. Das Publikum versammle sich um die Tische, manche machen auch mit. „Unser Ziel war es, diese Art der brasilianischen Musik, diese Lebensfreude nach Mannheim zu bringen“, erklärt Herpichbörm. Zu dem Konzept Eintanzhaus in der Trinitatiskirche hinter dem Marktplatz passt die Idee gut. Die Leiterin Daria Holme freut sich auf die Band, die bereits das zweite Mal da ist. Denn neben dem Schwerpunkt zeitgenössischer Tanz soll das Eintanzhaus mit der Baumbühne auch eine lebendige Plattform für kulturellen Austausch sein. Wie ein Dorfplatz. Mitten in der Stadt.

Die Musiker sind fast fertig mit essen. Noten und Instrumente liegen jetzt auf dem Tisch. Melodietragende Instrumente wie Tenorposaune und Querflöte, deren solistische Einlagen immer wieder eigenen Applaus erhalten, Akustikgitarre und E-Bass, und natürlich Percussion-Instrumente. Einige der Rhythmen kann auch das deutsche Publikum zumindest mitsummen. „Mas que nada“ ist eines davon. Es war der erste portugiesischsprachige Welthit von Sérgio Mendes, der den Instrumentaltitel seine Freundes Jorge Ben neu arrangierte. „Oder Canto das Tres Racas“ von Clara Nunes. Maura und Peter setzen sich erst gar nicht, sie sind immer in Bewegung, folgen den Rhythmen. „Das hier kommt der Musik in den brasilianischen Hinterhöfen schon sehr nahe“, erzählen sie. Sie haben ihre Tochter öfter dort besucht und kennen Rio de Janeiro.

2015 Band gegründet

Kennengelernt haben sich die Musiker der Grupo De Encontro an der Hochschule für Musik in Mannheim, wo sie Jazz studieren. Die Band wurde 2015 gegründet. Nicht immer sind alle dabei. Fast alles sind Deutsche, nur ihre Sängerin ist aus Brasilien. Sie hat heute jedoch ein anderes Konzert. Clara Valente vertritt sie, das erste Mal. Sie kommt aus Rio de Janeiro. Normalerweise singt sie brasilianische Pop, komponiert und singt auch eigene Songs. Die Musik hier aber ist ein Teil ihrer Heimat. „Ich bin stolz darauf, mit einer deutschen Band aufzutreten, die brasilianische Musik macht. Die meine Musik macht!“, sagt sie. Als Zugabe gibt es bayrische Folklore mit brasilianischen Rhythmen vereint – ein weit über die Grenzen Bayerns bekannter Song: Drunt in da greana Au“.