Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Trio Autochrom bei Jazz im Busch im Laboratorio17 / Veranstalter erhält Auszeichnung

Fernab leichter Musik

Archivartikel

Die Wände und Böden im Laboratorio17 sind unverputzt. Stromkabel hängen aus der Decke. Doch die gröbsten Schäden eines Wasserschadens sind behoben – weshalb dort wieder die Konzertreihe „Jazz im Busch“ stattfinden kann. In den vergangenen Monaten mussten die Konzerte auf benachbarte Spielstätten ausweichen. „Ich bin das erste Mal in Mannheim. Das war echtes Glück, dass wir auf dem Weg von Frankreich nach Wiesbaden diesen Auftritt dazwischenschieben konnten“, erklärt Saxofonistin Luise Volkmann. Im wiederhergestellten soziokulturellen Projektraum im Stadtteil Jungbusch tritt das Trio Autochrom auf, mit klanglichen Grenzgänger-Stücken.

Experimentierfreudiges Gespann

Das dreiköpfige Gespann Autochrom betritt die Schaufensterbühne – und startet mit einem lauter werdenden Klanginferno, um sich daraus einen Pfad in die harmonischere Welt der Melodien zu bahnen. Dabei stößt Volkmann, die in Köln lebt und Musikwissenschaften studiert hat, in ihr ächzendes und krachendes Saxofon. In diesen Momenten bewegt sich das experimentierfreudige Dreigespann an der Grenze zum Free Jazz. „Diese Komposition habe ich im Bett geschrieben, das kommt nicht so häufig vor“, schildert Volkmann in Bezug auf die Nummer „Kalim Kalim“. Dabei erinnert sie an das Daumenklavier Kalimba, mit dem die 27-Jährige gern experimentiert.

In der Pause kommt eine Überraschung: Veranstalter Steffen Rosskopf gibt bekannt: Soeben wurde seine Konzertreihe „Jazz im Busch“ durch Bundeskulturbeauftragte Monika Grütters mit der Plakette „Applaus“ gewürdigt. Eine Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten. „Ich habe mir die Plakette per Post zuschicken lassen, es gab zwar auch eine offizielle Preisverleihung in Berlin, dafür hätte ich aber extra in die Hauptstadt fahren müssen“, erklärt Veranstalter Rosskopf, der selbst Gitarre spielt.

Auf der Schaufensterbühne unternimmt das Ensemble Autochrom eine wilde Klangexkursion. In ihre Songs bauen die Künstler absichtlich Störgeräusche ein, sogenannte Multiphonics, um das Werk aufregend zu gestalten. Fernab gefälliger und leicht konsumierbarer Mainstream-Musik. Hin und wieder kehrt innerhalb dieses tonalen Orkans reine Stille ein.

Zwischendurch erzählt Volkmann, was der Bandname der Combo bedeutet. „Das war das erste technische Verfahren für Farbfotografie“, sagt sie. Später bindet sich die Bläserin indische Glöckchen um das linke Fußgelenk und begleitet damit aufstampfend die Stücke rhythmisch. Von farbgesättigtem Scheinwerferlicht angestrahlt entfaltet sich Schlagzeuger Max Santner in einem Besen-Solo. Wie bei einem musikalischen Wutanfall lässt Volkmann das Saxofon krächzen.

Schlagzeugstar kommt

Und nach dem Konzert kommt Steffen Rosskopfs nächster Streich: „Allen Blairman wird am 13. August 80 Jahre alt. Eine gute Gelegenheit, ihn im Mai mit seiner Band Variety hier bei Jazz im Busch auftreten zu lassen“, erklärt Organisator. Der genaue Termin stehe noch nicht fest. Allen Blairman ist ein bekannter amerikanischer Schlagzeuger der Region Rhein-Neckar, der etwa mit Posaunen-Legende Albert Mangelsdorff kollaboriert hatte.