Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Werkstattgespräch mit Künstlern Christiana Laube und Mehrdad Zaeri

Für Jugendpreis nominiert

Es gibt noch eine Welt außerhalb der digitalen Medien, in der es kunstvoll gearbeitete Bücher gibt, die mehr zum Anschauen als zum Lesen gedacht sind. Solche Bücher gestalten das Mannheimer Künstlerpaar Christina Laube und Mehrdad Zaeri, auch bekannt als Duo Sourati. In einem Werkstattgespräch im Dalberghaus stellten sie ihre Bücher vor, die in Lasercut-Technik entstanden sind.

Aus Jordanien zurück

Da das Paar gerade aus Jordanien von einem Street Art Festival kam, standen zuerst ihre großformatigen Wandbilder, genannt Murals im Vordergrund. „Bis vor drei Jahren haben wir keine Murals gemacht, dann kam eine Anfrage hier in Mannheim, und wir begannen mit dem Sprühen“, blickte Zaeri zurück. „Ich hatte bereits Erfahrung, da ich in jungen Jahren eine Liebeserklärung an eine Wand gesprüht habe“, sagte Laube.

In Mannheim durften die beiden dann an einer Fassade üben, die bald darauf abgerissen werden sollte. „Wir malten das Bild einer Frau, deren Schuhe größer waren als alles, was wir bisher gemalt hatten. Als es fertig war, hat es uns so sehr gefallen, dass wir es zu schade zum Abreißen fanden“, so Zaeri. Dafür gibt es nun einige dauerhafte Murals wie die Dame mit Rucksack in den H-Quadraten oder der Hüter der Tiere am Tierheim Mannheim.

Auf dem Street Art Festival in Amman hatte das Paar eine Wand zugeteilt bekommen, die es mit einem Motiv zum Thema Inklusion zu bemalen galt. „Wir entschieden uns für eine Frau, die ihre Gedanken als Vögel fliegen lässt. Die Nachbarn waren sehr interessiert, schauten uns bei der Arbeit zu und versorgten uns mit Tee“, sagte Laube. Das Motiv erinnert entfernt an Aschenputtel mit ihren Tauben, und dies ist auch schon das Thema des ersten Buches. Der Knesebeck-Verlag aus München war auf Zaeri zugekommen mit der Frage, ob er Märchenbücher illustriere. Da Zaeri in vielen künstlerischen Bereichen aktiv ist, als Bühnenkünstler und Illustrator, sagte er zu. So entstand Aschenputtel. Laube, die auch Autorin und Fotografin ist, brachte das Märchen auf eine kürzere Form. Bevor die Lasercut-Technik zum Einsatz kam, bei der aufwändige Scherenschnitte entstehen, zeichnete Zaeri die Motive von Hand, ständig darauf achtend, wie geschnitten werden muss, sodass das Material zusammenhält.

Die Technik gefiel dem Künstlerpaar so sehr, dass sie ein eigenes Buch herausbrachten: „Es heißt Marthas Reise und beinhaltet viele philosophische Gedanken in Scherenschnittform“, so Zaeri. „Man denkt eigentlich, philosophische Themen seien schwierig für Kinder, doch wir stellten fest, dass gerade Kinder einen guten Zugang dazu haben.“ Das Buch ist nominiert für den deutsch-französischen Jugendpreis 2019.