Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Mannheimer Gesangspädagoge Wilhelm Roser von der Liedertafel geehrt

Gedächtniskonzert zum 100. Geburtstag

Archivartikel

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Probensaal der Mannheimer Liedertafel anlässlich des Konzerts zu Ehren des 2001 verstorbenen Gesangspädagogen Wilhelm Roser. Er wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden.

Wilhelm Roser träumte als Jugendlicher davon, Sänger zu werden, und nahm heimlich Gesangsstunden. Während seines Militärdienstes in Italien wurde er entdeckt und ausgebildet. Seit 1949 hatte er ein Engagement beim Nationaltheater Mannheim, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb. Von 1974 bis 1983 hatte Roser einen Lehrauftrag an der staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim. Nicht nur an der Hochschule war Roser rege in seinen Bemühungen, sein Können und Wissen weiterzugeben. Er ließ auch privat nichts unversucht, Koryphäen genauso wie stimmbegabten Amateuren zu besserer Qualität zu verhelfen oder Problemstimmen und sogar „abgeschriebenen“ Stimmen neues Leben einzuflößen.

Dass Liane Leitz-Hügel mit ihrer ganz eigenen Altstimme atemlose Stille bei ihren Zuhörern zu zaubern vermochte, verdankt sie Wilhelm Roser. Knötchen auf den Stimmbändern beendeten zunächst ihre Gesangskarriere. Roser jedoch hat die Stimme wieder aufgebaut. Rosers Ohr gab es kein Entrinnen. „Es war unmöglich, ihm einen falschen Kopfstimmansatz zu offerieren“, erinnerte sich Bassist Nico Kress an seinen Unterricht. Sieglinde Duda, die die Moderation des Konzertes übernommen hatte, kündigte den „voluminösen Bass“ für „Im Abendrot“ von Franz Schubert und von Wolfgang Amadeus Mozart „O Isis und Osiris“ an. Auch sorgte Roser dafür, dass Gunther Bräunling mit seinen heute 83 Jahren eine noch hörenswerte (Solo-)Stimme hat, wovon er mit Joseph Haydns „Und Gott schuf den Menschen“ und „Mit Würd und Hoheit angetan“ die knapp 100 Zuhörer überzeugte. Sein Schüler Bernd Joachim Ertelt präsentierte „Valentins Gebet“ von Charles Gounod.

Wie sehr ein Sänger von richtiger Technik profitiert, zeigte Rosers Ehefrau Hedwig. Trotz eines Infekts sang sie mit beseelter Stimme sowohl solistisch als auch Duette und ein Terzett gemeinsam mit Liane Leitz-Hügel, Nico Kress und Gunther Bräunling. Konzentriert gefordert war Rolf Sieren, der am Flügel zum Gelingen dieser besonderen Gedenkstunde beitrug. red