Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Trägerverein des Gemeinschaftszentrums wendet sich mit einem Brandbrief an die Parteien

Hilferuf aus dem Hafenviertel

Mannheim.Mit einem Brandbrief hat sich der Trägerverein des Gemeinschaftszentrums im Jungbusch an die Parteien gewandt und um Hilfe gebeteten. Der Grund sind drohende Kürzungen der Betriebs- und Personalkosten durch die Stadt. Kämen diese, müssten Leistungen, vor allem bei der Kultur- und Jugendarbeit, eingestellt werden. Um die Integrationsbemühungen in dem Problemviertel aufrecht zu erhalten, seien zudem weitere Zuschüsse vonnöten, heißt es in dem Schreiben.

Seit 2011 habe der Verein immer wieder auf die zunehmend missliche Lage aufmerksam gemacht – ohne Erfolg, so die Vorstandsmitglieder Berthold Droste, Angelika Weinkötz und Norbert Herrmann. Finanzielle Zuwendungen sind seit 2003 praktisch „eingefroren“, Erhöhungen der Mittel trotz gestiegener Kosten ausgeblieben, sagen sie. Zwar habe man auslaufende Gelder aus dem Soziale-Stadt-Programm teils mit mehr Spenden kompensiert, wertvolle Projekte dadurch aufrechterhalten. „Doch nun sind wir am Ende der Fahnenstange angekommen“, sagt Geschäftsführer Michael Scheuermann. Ein Weiter so könne es nicht geben, die Belastungsgrenze der Mitarbeiter sei erreicht. „Wir brauchen dringend Unterstützung“, so Scheuermann. Ansonsten sei man gezwungen, Angebote aufzugeben, Prioritäten zu setzen.

Akut bedroht ist beispielsweise das Programm „Integration durch Sport“ mit dem Stadtteilsportverein DJK Mannheim-Jungbusch und dem geplanten neuen Trainingsprogramm zur Gewaltprävention. Auch die Kulturarbeit, von der insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene profitierten, könnte so nicht mehr weiter gehen.

Schon jetzt führen ausbleibende Finanzmittel zu Einschränkungen im Angebotsspektrum und -umfang. So wurde eine halbe Personalstelle in der Jugendkulturarbeit (Lisa Massetti) abgebaut. Projekte, die sich an junge Erwachsene wendeten – unter anderem ein erfolgreiches Projekt mit dem Polizeirevier Mannheim Innenstadt/Jungbusch zur Stärkung des Vertrauens in die Polizei, wurden eingestellt. „Die Jugendtheater- und musikpädagogische Arbeit in der Creative Factory mussten wir inzwischen auf ein Minimum reduzieren. Angebote der Gemeinwesenarbeit wurden eingeschränkt und die Präsenz im öffentlichen Raum, insbesondere auf Spielplätzen im Quartier, zurückgebaut“, klagen die Vereinsvorstände.

Weiteres Problem: das Projekt Qualifizierung im Stadtteil (QUIST). Hier muss der Verein aufgrund gestiegener Personalkosten bereits Eigenmittel, zum Beispiel aus Spendengeldern, einsetzen – eine prekäre Situation, weil eigentlich ein Teil der Ressourcen in das beantragte und neu aufzubauende Projekt der Straßenpädagogik (Street Cred) für männliche Jugendliche mit Gewalt-, Drogen- und Delinquenzerfahrungen verlagert werden soll.

In dem Brandbrief bittet der Vorstand daher die Politiker darum, die Kürzung von Zuschüssen an den Trägerverein Gemeinschaftszentrum Jungbusch zurückzunehmen und die Zuwendungen im Betriebs- und Personalkostenzuschuss um 18 500 Euro zu erhöhen. Gleichzeitig wird beantragt, die Finanzmittel für QUIST um 10 000 Euro (sowie eine entsprechende Dynamisierung der zugehörigen Personalkosten) zu erhöhen. Außerdem, so Scheuermann, gelte es, mit allen Partnern zu klären, welche Aufgaben vom Gemeinschaftszentrum künftig noch geleistet werden können.