Innenstadt / Jungbusch

Sommerserie „Erfolgreich im Stadtteil“ Das Comic-Paradies in S 2 – die Paper Street Comic Company – ist mehr als nur ein Geschäft

In der bunten Dämonen-Welt

Archivartikel

Mindestens zweimal in der Woche besucht Chiara Paun, Azubi aus Seckenheim, für ein bis zwei Stunden den neuen Comic-Laden in der Westlichen Unterstadt. „Wegen der tollen Beratung – die Leute hier sind sehr nett und haben Humor“, sagt sie. Im Comic-Paradies in den S-Quadraten trifft sich die Sechzehnjährige auch manchmal mit ihren Freundinnen aus Neuostheim und Suebenheim.

Hobby zum Beruf gemacht

Die Paper Street Comic Company in S 2 ist mehr als nur ein Geschäft für Comic-Liebhaber und Fantasy-Fans. Der Laden ist vielmehr ein Treffpunkt, an dem sich Mitarbeiter und Kunden austauschen. „Das ist unsere Geschäfts-Philosophie“, sagen die beiden Inhaber Christopher Höhn und Mirko Schmittinger, die im Juli 2016 den Laden eröffneten. Beide wohnten damals zusammen in einer Wohngemeinschaft in Worms.

Mirko Schmittinger hat Buchwissenschaft und Anglistik in Mainz studiert. Christopher Höhn arbeitete, nachdem er sein Abitur nicht geschafft hatte, in der Gastronomie in Worms. Dort haben sich Schmittinger, der ebenfalls in der Gastronomie tätig ist, und Höhn kennengelernt. Vor zwei Jahren entschlossen sich die beiden Freunde, in Mannheim einen Comic-Laden zu eröffnen. „Wir haben ganz klassisch unser Hobby zum Beruf gemacht“, sagen die beiden Comic-Fans, die den gezeichneten Geschichten schon als Kinder verfallen waren. Ursprünglich hätten sie zwar vorgehabt, eine Art Lese-Café zu eröffnen. Doch weil sie aus der Gastronomie kommen und wissen, wie schwer das ist, haben sie sich entschlossen, das bleiben zu lassen. Zum Standort in der Westlichen Unterstadt berichten sie, dass ein Business-Gespräch im Alten Volksbad in der Neckarstadt mit dem Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt vorausgegangen sei.

Weil kurz davor die Comicothek in den E-Quadraten zugemacht hatte, hätten ihnen die Berater vorgeschlagen, deren Räume zu übernehmen. Doch weil sie nicht mit diesem Comic-Laden verwechselt werden wollten, hätten sie sich weiter umgeschaut. In einem leerstehenden Laden in S 2, 18, in dem sich vorher ein Kleidergeschäft befand, eröffneten sie am 23. Juli 2016 ihre Paper Street Comic Company.

Auf einer Fläche von 35 Quadratmetern finden Comic-Fans hier über 3000 Einzeltitel. Rund die Hälfte des Umsatzes entfällt allein auf die japanische Comic-Variante Manga. Sammler werden in dem Antiquariat mit rund 2000 Titeln fündig. Auch Bücher und Magazine können hier verkauft und in Kommission gegeben werden. Es gibt auch viele Merchandisingartikel rund um die Comics, die unterschiedlichsten Mangas und andere Comic-Figuren aber auch T-Shirts mit Comicaufdrucken. Der Kundenstamm ist sehr gemischt. Es gibt ältere Comic-Liebhaber, die mit Mickey Mouse, Asterix, Lucky Luke oder X-Man groß geworden sind. Aber gerade durch Mangas ist das Publikum überwiegend jünger. Man könne allerdings im Comicgeschäft nie vom Äußeren eines Menschen auf seine Vorlieben schließen, so Höhn: „Manchmal sind wir sehr überrascht, welcher Kunde welche Sorte liest. Dann geht ein Herr Mitte 40 in die Manga-Abteilung und ein Teenager kauft ernste franko-belgische Alben.“

Comicleser wollten meist ihre Bände im Regal stehen haben und sie in ihrem angestammten Laden mit persönlicher Beratung und einem kleinen Plausch über die Neuerscheinungen gerne selbst erwerben. Comic-Käufer scheinen tendenziell altmodisch zu sein – und sehr treu.

Noch in diesem Jahr wollen die Inhaber online gehen. „Am wichtigsten sind aber unsere Stammkunden“, so Schmittinger. Um mit ihnen und anderen Kunden zu feiern, veranstalteten Christopher Höhn und Mirko Schmittinger bereits zum zweiten Mal ein Sommerfest in ihrem Comic-Laden.