Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Der Caritasverband saniert das alte „Bumiller-Haus“ in D7,5 für 750 000 Euro / Ursprüngliches Aussehen erhalten

Klassizistischer Prachtbau in neuem Glanz

Archivartikel

Das „Bumiller-Haus“ in D 7,5 erstrahlt in neuem „altem“ Glanz. Für rund 750 000 Euro hat der Caritasverband Mannheim die Gebäudehülle saniert. Dabei wurde behutsam darauf geachtet, das historische Aussehen des spätklassizistischen Wohnhauses wiederherzustellen. Saniert wurden unter anderem das Dach, ein Großteil der Fenster sowie die Fassade.

1978 erwarb der Caritasverband Mannheim das Gebäude und ließ das Innere nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in seiner ursprünglichen Raumaufteilung wiederherstellen. Die Caritas richtete im Haus eine Psychologische Beratungsstelle für Kinder und Familien ein. Im Hinterhaus haben die Suchtberatung und die Sozialpädagogische Familienhilfe der Caritas ihren Sitz. Aus Bumillers Zeiten noch erhalten sind die reich verzierte Eingangstür und der Mosaikfußboden im Erdgeschoss sowie die Parkettfußböden, Wandvertäfelungen, Türfüllungen und Stuckdecken im ersten Geschoss.

Im ehemaligen Salon, dem schönsten Raum des Hauses, finden auch Gruppenangebote und Kurse der Caritas statt. „Wir sind als Caritasverband stolz auf dieses Haus und sehen uns in der Verpflichtung, dieses Mannheimer Erbe zu erhalten“, betonte Caritas-Vorstand Roman Nitsch. Neu gestaltet wurde der prächtige Treppenaufgang mit den zwei Säulen. Ein Oberlicht lässt warmes Licht ins Gebäudeinnere fließen.

Erneuert wurden auch die Sanitärräume. Den größten Geldbetrag, nämlich rund 250 000 Euro, verschlang die Renovierung des Daches. Dieses wurde anstelle der Bitumenplatten mit neuen Doppelmuldenpfalzziegeln eingedeckt, wie die Architekten Katrin Kettering und Markus Fritz von ADS Architekten erläuterten. Auch das Dachgebälk musste teilweise erneuert werden. Die Fassade erhielt nach einer Kratzprobe ihre ursprüngliche Farbgestaltung in einem warmen Crème-Ton. Die historischen Holzfenster und Klappläden wurden ebenso restauriert. Alle Arbeiten wurden eng mit dem Fachbereich Denkmalschutz abgestimmt.

Jetzt erstrahlt das prächtige Gebäude in D7,5, das im Inneren großbürgerliche Wohnkultur in Mannheim des frühen 19. Jahrhunderts repräsentiert, auch nach außen wieder in neuem Glanz. „Wir sind dankbar, in solchen Räumen arbeiten zu dürfen“, freute sich Sabine Gaspar-Sottmann, Leiterin der Abteilung Familie und der Psychologischen Beratungsstelle. Immer wieder hörten sie von Menschen, die in die Beratung kämen, wie schön und beeindruckend es hier sei.

Das zweistöckige Gebäude ist eines der wenigen noch erhaltenen Gebäude im spätklassizistischen Stil in Mannheim. Den stattlichen Bau ließ der Weinhändler Carl Anton Schott (1801–1850) in den Jahren 1833/1834 auf dem Gelände der Festungsanlagen an der Verlängerung der Rheintorgasse (heute D 7,5) errichten. Im Jahre 1880 erwarb Cäcilie Hortense Bumiller (1838–1904) das Anwesen von dem Gastwirt Carl Friedrich Unkel. Cäcilie Hortense Bumiller überschrieb das Haus im Jahre 1896 ihrem Sohn Theodor – das war kurz nach dessen Hochzeit mit Emilie Lanz, Tochter eines wohlhabenden Fabrikanten.

Das Paar ließ vor allem das Innere des Hauses im Geiste der Zeit umgestalten und beispielsweise über der Hofeinfahrt einen Wintergarten bauen. Noch zu Lebzeiten von Legationsrat Bumiller wurde das Gebäude 1909 für ein katholisches Knabenpensionat, insbesondere für Schifferkinder, eingerichtet. Deswegen wurden viele Räume kleinteilig gegliedert. Nach dem Tod von Theodor Bumiller 1912 schenkte die Witwe das Anwesen der katholischen Kirchengemeinde. 66 Jahre später kaufte es dann die Caritas.