Innenstadt / Jungbusch

Oststadt Vortrag über Dialekt und Heimat von Hans-Peter Schwöbel beim Clubabend von Kiwanis

Leidenschaftlicher Beschützer der „Muddasproch“

Archivartikel

Beim letzten Clubabend von Kiwanis Mannheim-Kurpfalz mit mehr als 25 Gästen im Hotel Leonardo Royal konnte Präsidentin Petra Wüste als Referenten den Sozialwissenschaftler, Schriftsteller und Kabarettisten Hans-Peter Schwöbel begrüßen. Versiert in kräftiger Satire wie feiner Poesie und Lyrik, referierte er über das Thema „Sprache ist Heimat“.

„Nur in der Sprache ist Heimat, und alle Sprache braucht Beschützer“, zitierte Schwöbel Josef Weizenbaum von der Harvard-Universität, einen der weltweit angesehensten Experten, der heute wieder in Berlin lebt, von wo der deutsche Jude in den 1930er Jahren nach Amerika geflohen war. Und so wie er beschützt auch Hans-Peter Schwöbel vehement den Dialekt, das Kurpfälzische, seine „Muddasproch“. Er hob den Nuancenreichtum des Dialekts hervor, durch den Stimmungen viel besser ausgedrückt werden können. In verschiedenen stimmlichen Modulationen analysierte Schwöbel „Raacht da da?“ (auf Hochdeutsch „stinkt dir’s?“). Schwöbel erläuterte: Das kommt von „Roches“ aus dem Hebräischen und bedeutet „Ärger“. Hat der Vater einen dicken Hals, fragt Mutter „Raacht da da?“ Letztendlich sei der Ausspruch unübersetzbar, je nach Laune erfahre er einen anderen Tonfall.

Und auch der Begriff „Fuß“ reicht im Kurpfälzischen wesentlich weiter. „Mir duhn de Fieß weh. Brauch e neis Hiftgelenk!“ Neuhinzugezogene, die sich das Kurpfälzische zugelegt hätten, würden sagen: „Moin Boin schmerzt!“ – und bekämen dabei so ein ganz enges Göschele (Hochdeutsch „Mund“). Den Fremden machte Schwöbel für ihr Unverständnis zwar keinen Vorwurf, lobte sie dafür aber auch nicht.

Genervt von Denglisch

Gar nicht leiden kann Schwöbel Hochdeutsch-Sprecher, die arrogant über Dialektsprecher herziehen. Schwöbel liebt nicht nur das Kurpfälzische, sondern alle 6000 deutsche Dialekte so sehr, dass er sie beschützen und erhalten will. Genervt ist Schwöbel von den vielen denglischen Wörtern, ebenso wie Weizenbaum. Dieser beklagt die „Vermanschung“ des Deutschen mit dem Englischen: „Die Sucht vieler Deutscher nach englischen Brocken erzeugt Spracharmut, Sprachgulasch – Ideen können so nicht entstehen.“ Schwöbels Vortrag war vor allem eine Liebeserklärung an die Kurpfälzer, deren Sprache und Lebensart. Er machte Lust auf Sprache, Lust auf Heimat, Lust auf Lachen, Lust auf Denken. Wer mitdachte, wurde beim Kiwanis-Clubabend traditionell mit einem Gutsel belohnt.

Präsidentin Wüste dankte Schwöbel, der auf sein Honorar für den Vortrag verzichtet hatte zugunsten des Kiwanis Charity-Projekts „Schulranzen“: 150 neue Schulranzen hat Kiwanis in Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim auch in diesem Jahr wieder an bedürftige Kinder im Foyer des Rosengartens übergeben. ost