Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Kurator Raimund Gründler startet mit der Literaturinitiative Lese-Zeichen den ersten Lesesalon im Café Herrdegen

Liebeserklärung an portugiesische Landschaft

„Die Atmosphäre ist sehr gemütlich, wir machen das heute das erste Mal. Sie sind unsere Premierengäste“, freute sich Organisatorin Helen Heberer. Und Kurator Raimund Gründler ergänzte: „Wir wollen nicht nur Autoren einladen, sondern auch selbst etwas lesen.“ Zusammen führen Heberer und Gründler die Literaturinitiative Lese-Zeichen.

Im oberen Saal des Café Herrdegen fanden sich Teilnehmer ein, um vor Publikum mitgebrachte Lieblingslektüre über das Thema „Europäisches Kulturerbe“ auszugsweise vorzutragen. Dort drangen rezitierte Passagen von Schriftstellern wie Theodor Fontane, Heinrich Böll, Hölderlin und Jan Wagner an die Ohren der Zuhörer.

Für den Einstieg las Heberer ein Kapitel aus den Reiseerzählungen von Mark Twain vor, der von 1835 bis 1910 gelebt hatte und weltweit große Popularität durch die Abenteuergeschichten seiner beiden Figuren Tom Sawyer und Huckleberry Finn erlangte. In seinem 1880 erschienenen Reisebericht „Bummel durch Europa“ fasste der amerikanische Autor einen launigen Besuch in Mannheim zusammen, wobei Twain in diesen Zeilen nicht mit Spott über die Kurpfälzer spart: Zum Beispiel habe ihm eine Lohengrin-Aufführung in der Quadratestadt peinigende Zahnschmerzen bereitet. „Das Gebumse und Gepauke, Gedröhn und Gekrache war einfach unglaublich“, zitierte Vorleserin Helen Heberer aus dem Text.

Stadtbild als Dachverein

Unter den Vorlesern befanden sich überdies der örtliche Verleger Ulrich Wellhöfer und Viola Skiba von den Reiss-Engelhorn-Museen. Als jüngste Teilnehmerin des europäischen Lesesalons im Café Herrdegen (E 2,8) brachte Sophie Haury den Besuchern die fantastische Roman-Reihe „Harry Potter“ von Schriftstellerin Joanne K. Rowling näher. Mit ihrer Stimme erweckte die 10-Jährige „Das Lied des sprechenden Huts“ zum Leben. Rowling gilt als die meistgelesene englische Gegenwartsautorin, die mit ihrem literarischen Zauberlehrling ein Millionen-Vermögen erwirtschaften konnte, gefolgt von dem 2015 verstorbenen Scheibenwelt-Erfinder Terry Pratchett. Darüber hinaus widmete sich der Kreis dem „Irischen Tagebuch“ von Heinrich Böll, dessen Nachlass damals im März 2009 teilweise beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs im wahrsten Sinne des Wortes in der Versenkung verschwand. „Das Irische Tagebuch erschien als irische Notizen in der FAZ“, ging Kurator Gründler auf den Ursprung dieses Klassikers ein. In Bezug auf das europäische Land Portugal trug Besucherin Birgit Arlt, Sprachlehrerin und Übersetzerin, aus dem Roman „Stadt und Gebirg“ von Schriftsteller José Maria Eça de Queiroz aus dem Jahre 1901 vor. „Das ist ein Autor, der in Deutschland gar nicht so bekannt ist“, verglich Veranstalter Raimund Gründler. Bei dem Roman „Stadt und Gebirg“ handelt es sich um eine Liebeserklärung an die portugiesische Landschaft.

„Nächstes Jahr machen wir auch Lesungen für Kinder und Jugendliche, vielleicht in der Alten Sternwarte. Außerdem arbeitet das Lese-Zeichen ab sofort mit den Reiss-Engelhorn-Museen zusammen“, kündigte Kurator Gründler an. Die Literaturinitiative Lese-Zeichen wurde von Helen Heberer und Raimund Gründler unter dem Dach des Vereins Stadtbild Mannheim ins Leben gerufen. hfm