Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Tobias Hoffmann Trio im Laboratorio 17

Mit ollen Kamellen in neue Klangwelten

Archivartikel

Ein einmaliges Jazz-Konzert im kleinen Rahmen fand im Laboratorio 17 im Jungbusch statt. Das Tobias Hoffmann Trio aus Köln spielte Jazz-Stücke aus seinem neuen Album „Blues, Ballads & Britney“. Die Location war gut besucht. Um die 50 Jazz-Freunde hatten sich in dem ehemaligen Ladenlokal eingefunden, wo man sogar im Vorbeigehen einen Blick auf die Musiker werfen kann.

„Das Laboratorio 17 gibt es bereits seit 2005. Es ist ein Zusammenschluss von Künstlern, die hier ihre Werke ausstellen können. Im Rahmen unserer Jazz-Reihe findet einmal im Monat ein Konzert statt. Der Raum ist sehr originell“, sagte Veranstalter Steffen Rosskopf. Tobias Hoffmann, ECHO-Jazz-Preisträger 2015 und WDR-Jazzpreisträger 2016 ist zurzeit der wahrscheinlich angesagteste deutsche Jazzgitarrist.

Wie bei einem Oldtimer

Er entlockt der Gitarre mit verschiedenen Einstellungen Töne, so dass man glaubt, mehrere Musiker gleichzeitig seien am Werk. Hoffmanns Mitstreiter waren Frank Schönhofer am E-Bass und Etienne Nillesen. Alle drei Musiker besitzen das Talent, ein Stück komplett auseinanderzunehmen – wie einen Oldtimer, dessen Einzelteile man auseinandernimmt, um sie schön zu polieren. Danach wird alles wieder komplett neu zusammengesetzt, sodass man nur erahnen kann, was es vorher mal war.

Zur Einstimmung spielte das Trio ein Stück des amerikanischen Jazzgitarristen Kenny Burell von dessen bekannten Album „Midnight Blue“. „Das ebnet den Weg für die Musik des heutigen Abends“, so Hoffmann. Bei „While My Guitar Gently Weeps“ gab es ein Intro mit Staccato-Rhythmen von Drummer Nillesen, kombiniert mit einer Gitarren-Improvisation, bei der man das Original nur erahnen konnte, bis Hoffmann schließlich die Melodie spielte. Dasselbe galt für „The Look of Love“ von Burt Bacharach – beim Hoffmann-Trio wird was ganz Neues draus.

„Wir werden oft gefragt, ob wir nur solche ollen Kamellen spielen. Die Antwort ist: ja. Wir haben keine Zeit, neue Stücke zu komponieren, da wir ständig im Stau stehen“, sagte der Bandleader, der das Konzert mit selbstironischen Kommentaren spickte. Für zwei Lieder greift er zum Banjo, in jeder Halbzeit eines, denn: „Zwei Banjo-Stücke im Set, das hält keiner aus.“ Die Mitglieder des Trios studierten Jazz an der Musikhochschule Köln, wo sie sich auch kennenlernten. Seit sechs Jahren spielen sie zusammen. „Ich bin in insgesamt 15 Bands aktiv“, so Drummer Etienne. Bei den anderen sieht es ähnlich aus, Hoffmann ist zum Beispiel Mitglied im Kölner Jazzkollektiv Klaeng.

Gegen Ende des großartigen Konzerts lüftete er noch ein Geheimnis: „Jetzt verrate ich, was Britney Spears mit unserem neuen Album zu tun hat. Wir haben uns eines ihrer Lieder vorgenommen: Toxic.“ Und auch Toxic hörte sich komplett anders an als das Original.