Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Kinder-Jazz-Konzert in der Halle Plus X

Musikalisches Schluchzen

Da herrschte ein buntes Gewusel auf dem roten Boden der Halle Plus X. Überall spielten Kinder oder aßen Zimtschnecken oder Saft tranken. Die heimelige Umgebung des Laboratorio 17 hatten die Musiker von Freygish 3 Express, die dieses Konzert bestritten, aufgeben müssen, wie Kurator Steffen Rosskopf erklärte. Ein Wasserschaden am gewohnten Platz zwang zum Umzug in die Jungbuschhalle.

Leicht erkennbar

Lömsch Lehmann an Saxofon und Klarinette, Michael Beutelspacher an der Gitarre und Mario Fadani am Kontrabass spielten für die Kinder Klezmermusik. Michael Beutelspacher an der Gitarre und Mario Fadani am Kontrabass spielten vor allem für die Kinder Klezmermusik. „Wir versuchen, dem Klezmer auch eine moderne Nuance zu geben“, beschrieb Mario Fadani das Ansinnen ihrer Musik. Die Volksmusik stamme eigentlich aus dem osteuropäischen Raum und wurde im aschkenasischen Judentum vornehmlich auf Hochzeiten und Feste gespielt. In den USA erlebe diese Art der Musik seit den Endsiebzigern wieder eine Renaissance – auch als konzertante Musik, erzählen die Musiker. „In den 1990er Jahren hat die Musik in Europa ebenfalls einen kleinen Hype ausgelöst. Da fanden wir unserer Freude daran. Seither spielen wir diese so auf ein ganz eigene Art und Weise“, ergänzte Fadani. Die Klezmermusik ist an und für sich durch ihre charakteristischen an die menschliche Stimme erinnernden Melodielinien leicht erkennbar.

Das merkte man bei diesem Konzert sehr deutlich. Da wechselten sich fröhliche Stücke ab, die von Hochzeiten kündeten, und eher traurige musikalische Vorträge, wenn der Brautvater zum Beispiel seine Tochter an den Bräutigam übergeben musste. Das berühmte „Schluchzen“ in der Musik ist ein bestimmendes Element, erklärten die Musiker. Zudem schwanken die Melodien meist zwischen Dur und Moll, denn sie basieren auf verschiedene Tonleitertypen, den „Gustn“, die dem Musiker etliche Freiheiten lässt: Es gibt eine Anzahl von Tönen, die erhöht oder erniedrigt werden dürfen. „Ein wesentliches Merkmal ist auch die freie Improvisation. Die Melodien werden auf bestimmte Art phrasiert und mit Trillern, Pralltrillern, Nachschlägen, Glissandi, Portamenti, et cetera verziert“, so Fadani. Das erinnere an den Jazz. Den Kindern war dies in dem Konzert so ziemlich egal. Sie freuten sich eine Stunde lang an der für ihre Ohren fröhlich klingenden Musik. has