Innenstadt / Jungbusch

Mitte Vielfalt-Stadtteile kämpfen um gutes Miteinander und Ressourcen / Sicherheit, saubere Luft, attraktive Grünflächen im Blick

„Spielregeln“ hart erarbeiten

Archivartikel

Am inneren Frieden einer Stadt muss täglich hart gearbeitet werden – in politischen Gremien, in Quartierforen, mit Infoveranstaltungen. Dabei ist für ein erfolgreiches Miteinander eine soziale, politische und ethische Infrastruktur genauso wichtig wie eine wirtschaftliche oder technische. Nur dann können Bewohner selbstbewusst agieren, sich konstruktiv und gewaltlos einmischen – wie das Quartiermanagement am Beispiel Jungbusch zeigt.

Jungbusch: Dort im Hafenviertel treffen derzeit Menschen in einer Monitoring-Gruppe aufeinander, die einen unterschiedlichen Bildungs- und Erfahrungshorizont haben. Hauseigentümer, Gastronomen, Kreative und Vertreter von Bewohnergruppen erarbeiten eine Vereinbarung samt Regel-Katalog für eine gemeinsame, konfliktfreie Entwicklung. Denn „ein Miteinander in der Vielfalt braucht Spielregeln, Verlässlichkeiten und den auf ein gemeinsam gesetztes Ziel gerichteten Austausch“, so Quartiermanager Michael Scheuermann. Stadt und Engagierte aus dem Quartier ziehen dazu an einem Strang. Es geht um eine breitgefächerte Wohnraumversorgung, eine wohnverträgliche Ausgehkultur, gute Chancen für Familien, Sicherheit im Wohnumfeld und eine gute Nachbarschaft zwischen Kulturen und mit Zuwanderern. Und das Wichtigste: „Wir erarbeiten die Jungbuschvereinbarungen nicht für das Schaufenster. Wegweisend ist das, was sich sofort im Alltag sichtbar bewährt“.

Innenstadt: Grundsätzlich wirft die Stadtentwicklung immer neue Fragen auf: sei es zu Architektur (Uni/Friedrichspark), Mobilität (Fahrrad-/Fußgängerwege), Transport (Zonen für Lkw) oder eben dem Zusammenleben im urbanen Raum. In der Innenstadt steht die Weiterentwicklung öffentlicher Plätze (T 4, Lameygarten, Swanseaplatz) zu Treffpunkten für vielfältige Nachbarschaften im Mittelpunkt. Am Kurpfalzkreisel und im Hanielpark/Haltestelle Rheinstraße soll getestet werden, wie sich unterschiedliche Bespielungen auf diese „Angsträume“ auswirken können, so Quartiermanagerin Ester Baumgärtner. Angesichts von immer neuen Hitzeperioden sei es ein wichtiges Anliegen der Bewohner, das Grün im Quartier zu erhalten.

Wohlgelegen/Herzogenried: Im Wohlgelegen sorgen sich die Bewohner über die Zukunft des Quartierbüros und dessen Status im Reigen von städtischem Quartiermanagement, Lokaler Stadterneuerung (LOS-Projekt) oder der Gemeinwesenarbeit im Allgemeinen. Die Finanzierung ist offen, Jugendarbeit sollte zudem kontinuierlich stattfinden. Im Herzogenried wollen die Bewohner die Ideen der Stadtteilkonferenz weiter verfolgen, etwa das Projekt „Verkehrsberuhigung“ mit dem Atelier Kunst und Natur und Käthe-Kollwitz-Grundschule. Außerdem bleibt der Ausbau des Quartiernetzwerks auf der Agenda. „Wir haben viel vor und hoffen, dass wir dies trotz der knappen Ressourcenlage (finanziell, personell) auch umsetzen können“, wünscht sich Quartiermanagerin Jennifer Yeboah.

Neckarstadt-West: Auch wenn sich das Quartiermanagement auf „MM“-Anfrage nicht äußerte: Lokale Stadterneuerung (LOS) heißt das Zukunftsprojekt und die Hoffnung in der Neckarstadt-West. Zum Beispiel soll im ehemaligen Kaisergarten der Herz-Jesu-Pfarrei ein Jugendbildungshaus eingerichtet werden.