Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Konzert im Café Filsbach

Über das Verschicken von Briefbomben

Archivartikel

Vor einem Jahr hat sich die Folk-Band „Reel Wood“ musikalisch neu aufgestellt. Wie sich die Kapelle von ihrem klanglichen Selbstverständnis her neu erfinden konnte, davon vermittelten „Reel Wood“ einen Eindruck während eines Konzerts mit dem „Trio Tragique“ im Café Filsbach im Quadrat J6,1-2. Dabei bewegte sich das Quartett „Reel Wood“ multimusikalisch im stilistischen Dreieck zwischen Swing, schottisch-irischer Folklore und Chanson.

Nach den ersten Stücken „Que reste-t-il de nos amours?“ und einem „Herbstwalzer“ stimmte das eröffnende Trio Tragique die Eigenkomposition „Weiter nördlich“ an. In Bezug auf diese Nummer philosophierte Violinistin Nela Helmke über Sehnsuchtsorte, zum Beispiel das Urlaubsziel der Familie. „Bevor man eine Kneipe verlässt, wenn man Alkohol gekostet hat, bewegt man sich in einer Zwischenwelt, um drei oder vier Uhr nachts“, schilderte Gitarrist Stefan Hampele, der sowohl bei „Trio Tragique“ als auch in der Combo „Reel Wood“ spielt. „Diesen Zustand beschreibt das folgende Lied wunderbar“, erklärte Gitarrist Hampele bezogen auf die Nummer „Sentimental Song“. Von sich unter dem nächtlichen Sternenhimmel streitenden Katzen erzählt dieses Stück, während in einer Kneipe der letzte Gast an der Theke hängt.

Spenden eingesammelt

Gelegentlich greifen Uli Helmke und Nina Schiefelbein zum Stift und schreiben Songs für die drei Bandmitglieder aus Heidelberg, Weinheim und Viernheim. Darüber hinaus interpretierte das dreiköpfige Gespann das Lied „Comment te dire adieu“ von Serge Gainsbourg und Françoise Hardy. Als das Trio Tragique mit dem Eröffnungsauftritt fertig war, ging ein Helfer mit einem Körbchen durch das Café Filsbach, um Spenden für die drei Musiker einzusammeln.

Selbst geschriebene Lieder

Danach durfte sich die Gruppe „Reel Wood“ auf der Bühne einrichten. Nach dem Stück „Black Is The Color“ philosophierte Mandolinenspieler Ulf Bangert, der als Moderator durch das Programm führte, über die Entstehungsgeschichte der amerikanischen Musikgattung „Bluegrass“, die mit Folk und Country verwandt ist. Von Geiger Wolfgang Buchholz, der in den Reihen von „Reel Wood“ sitzt, intonierte der launige Vierer die Eigenkomposition „Bird In The Snow“.

Beim Auftritt im Café Filsbach wühlte das Quartett tief in der Kiste mit selbst geschriebenen Liedern aus der fernen Vergangenheit. Zwischendurch besang die Kapelle die italienische Küste - als dieser Landstrich noch Corona-frei gewesen sei. Außerdem spielten „Reel Wood“ die Filmmusik „Tipsy Gypsy“ aus dem Spielfilm „King Of The Gypsies“ von 1978 mit den Schauspielerinnen Susan Sarandon und Brooke Shields. „Ich habe versucht, den Film auf DVD zu bekommen, aber keine Chance“, bedauerte Mandolinenmann Ulf Bangert.

Zusätzlich interpretierte die Combo den Song „Add Me“ von Chumbawamba. In dieser Nummer geht es textlich um das Verschicken von Briefbomben, denn Chumbawamba, denen 1997 ein einziger Hit mit dem Song „Tubthumping“ gelungen war, sind für ihren schwarzen Humor bekannt. hfm