Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Tanzperformance von Kollektiv Synchron feiert Premiere im EinTanzHaus / Weitere Aufführungen am 13. und 14. März

Über die Macht der digitalen Zauberkästchen

Archivartikel

Eine junge Tänzerin, völlig schwarz gekleidet, vollführt mitten im dunklen Saal komplexe Choreographien, bei denen die Darstellerin über den Boden robbt sowie ihre Arme und Beine verrenkt. In diesem Moment erinnert die sich windende Tänzerin Georgia Begbie etwas an den zappelnden Geist Samara aus dem Horrorfilm „The Ring“ von 2002. Welche Bedeutung haben Smartphones für unsere Gesellschaft? Wie viel Macht üben diese fortschrittlichen Zauberkästchen mittlerweile oft unbewusst auf die Menschen aus, die sich von den tragbaren Mobiltelefonen mit intelligenten Zusatzfunktionen abhängig gemacht haben? Diesen Fragen spürt die experimentelle und multimediale Tanzperformance „My Own Echo Chamber“ des Kollektivs Synchron im EinTanzHaus im Quadrat G 4,4 nach, die soeben vor 50 Besuchern ihre Premiere erlebte.

Über der Tanzfläche, auf der sich die vier dunklen Darsteller bewegen, schwebt ein riesiges flächiges Netz aus gespannten weißen Fäden, die als Projektionsfläche für irrlichternde Scheinwerfereffekte dienen und sich zwischendurch sogar über den Köpfen des Publikums ausbreiten, manuell geführt durch die Hände der stummen Schauspieler des Kollektivs Synchron. In dieser tänzerischen Netzwerkarbeit entspinnt sich eine Begegnung mit experimentellem Tanz, hypnotischen Klängen und greller Videokunst, dargebracht von Künstlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Eine weitere zentrale Frage innerhalb der assoziativ denkenden Tanzperformance lautet: Wie gehen wir mit digitalen Medien in unserem Alltag um? Denn technische Kommunikationsplattformen wie Facebook sind Echokammern, in denen die Menschen ständig tippend hineinbrüllen. Darauf macht die medienkritische Performance aufmerksam und gibt dabei so manchen Denkanstoß.

Fundstücke aus dem Netz

Im Hintergrund der Tanzfläche stehen vier riesige rechteckige Videowände, über die im schnellen Schnitt leuchtende Szenen flimmern, zum Beispiel aus den amerikanischen Zeichentrickserien „SpongeBob SquarePants“ und „Family Guy“, zusammengestellt und inszeniert von Videokünstler Antonio Pipolo. An dieser Stelle stürmt eine rasende Bilderflut auf die Zuschauer ein. Für die hektischen Filmszenen auf den Videostelen verwendet Medienkünstler Antonio Pipolo aus dem Internet gezogene Fundstücke, die lose miteinander verbunden sind. Als visueller Designer gehört Technikperformer Pipolo dem Kollektiv Synchron um den Mannheimer Musiker Peter Hinz an.

„Ich habe das Kollektiv gegründet und lebe seit 18 Jahren in Mannheim“, erklärt Organisator Hinz nach der Aufführung, der gebürtig aus der nordwestitalienischen Stadt Genua stammt. „Wir beschäftigen uns viel mit der Frage, welchen Einfluss das Smartphone auf uns nimmt, darüber wollten wir ein Stück machen. Nicht negativ, jeder soll sich darüber seine eigenen Gedanken machen“, schildert der 36-Jährige. Deshalb verarbeitet das Kollektiv buntes Footage aus Facebook für die Videoinhalte des Tanztheaterstücks.