Innenstadt / Jungbusch

Östliche Innenstadt Ausstellung „The (New) Mannheim“ in der Freien Kunstakademie Mannheim thematisiert den Wandel in der City

„Und dann diese langweilige, quadratische Architektur…“

Archivartikel

Der Baum zieht sofort den Blick des Besuchers auf sich. Umgeben mit einem Lattenzaun symbolisiert er wie wohl kaum ein anderes der Exponate der Schau den Kampf des „Grüns“ um das Überleben in einer Stadt wie Mannheim, die mehr und mehr verdichtet und versiegelt wird. „The (New) Mannheim“ heißt die Ausstellung in der ehemaligen Stadtgalerie in S 4,17, die jetzt als Teil des Projekts „Urbaner Wandel in der Nachbarschaft von T 4/T 5“ eröffnet wurde.

Acht Studenten des derzeitigen 2. und 4. Semesters der Freien Kunstakademie Mannheim (FKAM) hatten sich in Kooperation mit dem Kulturamt und des Quartiermanagements Unterstadt während einer Zeitspanne von etwa einem Jahr an die Arbeit gemacht und künstlerisch mit dem Transformationsprozess auf T4/T5 und den umliegenden Quadraten auseinandergesetzt.

Schwund von Grün

Dabei gelang es ihnen in eindrucksvoller Weise, die Spannung deutlich zu machen, in der sich Mensch und Natur seit dem Abriss der ehemaligen Sickingerschule und der Neubebauung des Areals befinden. Gisela Weiß etwa machte die drohende Versiegelung und den Schwund von Grünanteilen in der Innenstadt zu ihrem Thema. Auf ihren Fotografien sind triste Nahaufnahmen des Geländes T 4/T 5 zu sehen. Dabei hielt sie auch den Baum im Bild fest, den sie in einer Analogie in den Raum stellte. „Er soll mit einer Einzäunung gegen Zumutungen von außen geschützt werden“, erläuterte Juliane Huber, Rektorin der Freien Kunstakademie, die in ihrer Begrüßungsrede kurz auf die einzelnen Exponate einging.

Den Baum, den Weiß ablichtete, findet man zwischen den Quadraten T 3 und T 4. Er ist einer der wenigen, die im Zuge der Bauarbeiten nicht der Säge zum Opfer gefallen sind. „Der Baum steht vor dem Neubau schon sehr beengt und kann sich eigentlich nicht ausbreiten, nur in die Höhe wachsen“, stellte Christoph Weber, Anwohner in der östlichen Unterstadt fest. Die Unbilden, die eine Baustelle für die Nachbarschaft mit sich bringt, griff Stefan Wiegand in seiner Installation auf. Aus einem mit Sand und Werkzeugen gefüllten Koffer, der vor einem Paravent steht, der die Grenze zwischen Innen- und Außenraum, Privatsphäre und Öffentlichkeit markiert, ist Baulärm zu hören.

Einen anderen Weg schlugen Bernhild Hofherr und Gerhard Rieken ein. Sie interviewten Anwohner, Passanten und Geschäftsleute im Umfeld von T 4/T 5 und druckten die kurzen, aber prägnanten Statements auf eine Wandfläche. „Und dann diese langweilige, quadratische Architektur! Schauen sie sich mal moderne Architekten an! Ich würde hier nicht wohnen wollen, hier sind zu viele Menschen zu dicht beieinander. Mir wäre es zu eng“, lauten einige der zumeist kritischen Stellungnahmen.

Hoffnung auf eine Verbesserung dagegen hätten befragte Geschäftsleute geäußert, berichtete Bernhild Hofherr. „Denn sie erwarten neue Kunden“, so die pensionierte Schulleiterin. Hofherr hatte auch Fenster und Fensterfronten fotografiert, die sie später digital bearbeitete und spiegelte, um so Details genauer in den Blick zu nehmen.

Anderer Blick

Quartiermanagerin Esther Baumgärtner, wie auch Sabine Schirra, Leiterin des Kulturamtes Mannheim, betonten die Bedeutung der kulturellen Begleitung der Veränderungen auf und rund um T4/T5 und besonders die künstlerische Aufarbeitung. „Denn es gibt ja nicht nur eine andere Wohnbebauung, sondern es kommen auch andere Menschen ins Quartier“, sagte Schirra. An diesem Kunstprojekt sei für sie besonders interessant, dass die meisten der Künstler nicht aus Mannheim kämen. „Dadurch bringen sie nochmal einen anderen Blick auf die Veränderung in den Quadraten mit.“