Innenstadt / Jungbusch

Westliche Unterstadt Kaffeeklatsch über die Frage nach Hausautoren und die begrenzte Verbindung zur Stadtgesellschaft im Theaterhaus G 7

„Viel mehr mit der Stadt agieren“

Neue literarisch-kulinarische Tortenschlacht im Theaterhaus TiG 7: Im Rahmen des öffentlichen Formats „Miteuchmittwoch“ trafen sich verschiedene Akteure im Theaterhaus in G 7 zu einem Kaffeeklatsch. Gastgeberin war die künstlerische Leiterin Inka Neubert. Sie hatte dort bereits vor mehr als fünf Jahren ein jährliches Autorenporträt etabliert.

Bei Kaffee und Kuchen ging es um das Thema „Autorenresidenzen und Hausautorenschaft“ – ein durchaus brisantes Thema kurz vor den Haushaltberatungen der Stadt Ende des Jahres. Während die Stadt in diesem Jahr noch eine Residenz finanziere, werde das TiG 7 im kommenden Jahr wegen der Veranstaltungsreihe „Schwindelfrei“ wohl leer ausgehen, befürchtet Neubert. Das werfe natürlich die Frage auf, ob sie als Theater eine solche Residenz selbst stemmen könnten.

Wie schwer es Theaterautoren haben, schilderte Ulrike Syha. Sie ist dem Theaterhaus G7 eng verbunden. Das Stück „Privatleben“, mit dem das Theaterhaus letzte Woche die Spielzeit eröffnet hat, stammt aus ihrer Feder. In der Spielzeit 2009/10 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim. Sie habe diese Zeit als sehr bereichernd empfunden, sei auch in die Abläufe mit eingebunden worden, berichtet sie. Doch sie hätte sich damals auch gewünscht, „viel mehr mit der Stadt zu agieren“. Leider gebe viel zu wenig Hausautoren, so Syha. Das sei auch eine Frage des Geldes.

Ohne Kontakt zur Außenwelt

Für Inka Neubert stellte sich deshalb die Frage nach einem Mindestlohn. Kerstin Grübmeyer, Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Schauspiel des Mannheimer Nationaltheaters berichtete: „Im Nationaltheater gibt es seit 1996 eine Stelle als Hausautor; sie wurde mit Hilfe der Freunde und Förderer des Nationaltheaters ins Leben gerufen.“ Nur wenige Theater könnten sich einen Hausautor leisten. Eine andere Frage sei, wie profitiert das Haus von dem Autor? Der eine öffne sich hin zum Ensemble, der andere schreibe still in seinem Kämmerlein.

Grübmeyer begrüßte deshalb die Idee von Sivan Ben Yishai, die in der Spielzeit 2019/20 Hausautorin am Nationaltheater Mannheim ist, das Theater stärker in die Stadt hinein zu öffnen. „Manche Zuschauer wissen nicht, was eine Uraufführung ist, sondern wollen nur ein paar schöne Stunden erleben“, glaubt die Intendantin. Die aus Berlin kommende Yishai, die, ebenso wie Sean Keller (der aus Hamburg stammt und zurzeit im Rahmen der Werkstatt – dem Residenzprogramm zur Nachwuchsförderung – am Theaterhaus in G7 ist) nicht in Mannheim leben möchte, will für eine stärkere Verbindung zwischen Theater und Bürgern sorgen. Sie erklärte: „Die im Theater arbeitenden Leute sind wie ein kleiner Mikrokosmos, ohne Verbindung zur Außenwelt.“ Das will Yishai ändern mit einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe unter dem provozierenden Titel „Supranationaltheater Frauheim“. Durch Diskussionen von Theaterschaffenden mit Bürgern will sie Transparenz schaffen und die Grenze zwischen Theater und Stadtraum aufbrechen. Auftakt ist am Samstag, 12. Oktober um 17 Uhr im Studio Werkhaus. Eingeladen sind alle kulturinteressierten Mannheimer zu einer Ausstellung, Lesung, Diskussion und Party.